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«Dolly»-Schöpfer darf menschliche Embryonen klonen

London (AP) Der Schöpfer des Klonschafs «Dolly», Ian Wilmut, darf jetzt zu medizinischen Forschungszwecken auch menschliche Embryonen klonen. Die britische Aufsichtsbehörde HFEA vergab am Dienstag eine entsprechende Genehmigung an Wilmut, der am Roslin-Institut in Schottland arbeitet. Dessen Team schuf 1996 durch Klonen das Schaf «Dolly». Wilmut und der Motoneuronen-Experte Christopher Shaw vom Institut für Psychiatrie in London wollen die Lizenz zur Erforschung der Ursachen der Motoneuron-Krankheit (Motor Neuron Disease, MND) nutzen.
Das Klonen zu therapeutischen Zwecken ist in Grossbritannien seit 2001 legal. Eine erste derartige Genehmigung wurde im August vergangenen Jahres einer Forschergruppe der Universität Newcastle erteilt, die mit Hilfe des Klonens eine Möglichkeit eröffnen will, künstlich insulinerzeugende Zellen zu produzieren. Diese sollen Diabetikern eingesetzt werden.
Motoneuronen (oder auch Motor-Neuronen) sind bestimmte Nervenbahnen, mit deren Hilfe der Mensch sich bewusst und gezielt bewegen kann. Laut Fachveröffentlichungen sind «obere Motoneuronen» für die bewusste Auslösung einer Bewegung zuständig, «untere Motoneuronen» geben den eigentlichen Impuls an die Muskeln.
Unter den Oberbegriff Motoneuron-Krankheit fällt eine Reihe unterschiedlicher Krankheiten. An solchen Defekten jährlich rund 100.000 Menschen weltweit. Ihre Ursachen sind noch kaum erforscht.
Degeneration der Motoneuronen hat die fortschreitende Verkümmerung von Muskeln zur Folge. Die meisten der - üblicherweise im mittleren Lebensalter - Betroffenen sterben innerhalb weniger Jahre nach dem ersten Auftreten der Symptome. Eine der MND-Varianten ist die Amyotrophische Lateralsklerose (ALS), an der beispielsweise der weltberühmte Physiker Stephen Hawking leidet.
Beim Klonen zu therapeutischen Zwecken wird der Zellkern aus einer menschlichen Eizelle herausgenommen und durch den Kern einer Körperzelle eines Kranken ersetzt. Das Ei wird künstlich stimuliert, damit es sich einige Tage lang weiter zu einem Embryo hin entwickeln kann. Die Forscher wollen dann Stammzellen in einem ganz jungen Stadium entnehmen, die noch die Möglichkeit haben, sich zu jedem gewünschten Zell- oder Gewebetyp des menschlichen Körpers zu entwickeln. Anhand der Zellen aus einem Embryo, der aus einem Erkrankten geklont wurde, könnten Wissenschaftler die Entstehung der Krankheit nachvollziehen. Dann könnten sie versuchen, genetisch passende Ersatzzellen zu konzipieren und dem Patienten einzusetzen.
Der Forschungsdirektor Brian Dickie von der in London beheimateten Motoneuron-Krankheit-Vereinigung erklärte, mit der Vergabe der Klonlizenz nähere man sich einer Forschung, die einmal die Behandlung der Krankheit revolutionieren könne.

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