Zürich. SDA/BaZ. Die dreidimensionale Struktur des menschlichen Prionproteins, eines wichtigen Faktors für die Entstehung der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, ist entschlüsselt. Damit sind Vergleiche mit Prionen anderer Arten möglich. Ebenso ist man damit einen Schritt weiter in der Aufklärung der nach wie vor unbekannten Vorgänge, die zur Krankheit führen. Gelungen ist die Strukturaufklärung einem Forschungsteam um Professor Kurt Wüthrich vom Institut für Molekularbiologie und Biophysik der ETH Zürich, das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt wurde. Die Arbeit ist in der amerikanischen Wissenschaftszeitung «Proceedings of the National Academy of Science» (PNAS) veröffentlicht worden.
Prionproteine sind körpereigene Eiweisse von Mensch und Tier, die bei tödlich
verlaufenden Krankheiten wie dem Rinderwahnsinn (BSE), der Scrapie beim Schaf
oder der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) beim Menschen in verklumpter Form im
Gehirn ausgeschieden werden. In ihrer krankhaften Form verlieren die
Eiweissmoleküle ihre Löslichkeit. An der neuen Form der CJD, die junge Menschen
betrifft, sind bisher weltweit rund 50 Menschen erkrankt. Die überwiegende
Mehrheit der Erkrankungen ist in Grossbritannien registriert worden, erste Fälle
sind aber auch in Frankreich aufgetreten. Viele Forscher gehen mittlerweilen
davon aus, dass sich die Betroffenen mit dem BSE-Erreger infiziert haben, was
allerdings direkt noch nicht bewiesen werden konnte. Da zwischen Infektion und
Ausbruch der Krankheit zwischen zehn bis zwanzig Jahren liegen können, ist bis
jetzt nicht klar, in welche Dimensionen sich diese Krankheit entwickeln wird.
Die Resultate der ETH-Untersuchung zeigen, dass das (gesunde) menschliche
Prionprotein sehr ähnlich geformt ist wie die bereits bekannten Prionproteine
der Labortiere Maus und Hamster, wie der SNF in einer Mitteilung vom Dienstag
schreibt. Unterschiede wurden in jenem Teil des Eiweissknäuels gefunden, von dem
die Umwandlung zur krankhaften Form des Proteins ausgehen könnte. Diese
Unterschiede stellten Hindernisse dar für die Übertragung etwa vom Tier auf den
Menschen; es sind eigentliche Artenbarrieren, die im Falle des BSE-Prions aber
möglicherweise überschritten wurden.
Nach dem Prionprotein der Maus, das vom gleichen Forscherteam vor rund zwei
Jahren erstmals beschrieben wurde, und jenem des Hamsters, stellt die Struktur
des menschlichen Prions einen weiteren Schritt in der Aufklärung der
Prionenkrankheiten dar. Die verschiedenen Prionen variieren dabei in kleinsten
Details, sie zeigen verschiedene Mikrostrukturen - besonders an den Übergängen
zwischen sogenannten Faltblatt- und spiralförmigen Abschnitten. Noch diesen
Frühling erwartet Wüthrich die Entschlüsselung des Proteins der Kuh. Die
räumliche Struktur wurde mit Hilfe der Kern-Magnet-Resonanz-Spektroskopie (NMR)
untersucht. Die Arbeit der Forscher ist ein Beitrag der Grundlagenforschung,
sagte Wüthrich. Sie bilde die Basis für zukünftige Untersuchungen von Struktur
und Funktion des menschlichen Prions. Wüthrich geht davon aus, dass mit dem
Vergleich von Prionvarianten auch die postulierte Übertragbarkeit zwischen Tier
und Mensch besser verstanden werden kann. Noch sei man aber weit ent!
fernt davon, an die Entwicklung von Medikamenten gegen die Creutzfeldt-Jacob-Krankheit zu denken. Im Moment gehe es darum, die Entstehung der Krankheit besser zu verstehen.
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Letzte Änderung: 2004-11-30 00:00:00