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Gentech in der Landwirtschaft - Bauernverband "Opportunistisch"

Kommentar von Thomas Müller

Opportunistisch

Als im März 1998 der Schweizerische Bauernverband seine Stellungnahme zum Genlex-Paket an den Bundesrat abschickte, stand da nichts von einem Moratorium für den Anbau von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen. Als im Frühjahr 1999 in der Schweiz versehentlich und vereinzelt Gentech-Maispflanzen spriessten, fand der Bauernverband, ein fünfjähriges Moratorium sei doch angebracht.

Und jetzt, als gerade am letzten Wochenende wieder einmal eine Umfrage die Missbilligung von Gentech-Food durch die Schweizer Bevölkerung schön zum Ausdruck brachte, da dachte eine Mehrheit im Bauernverband offenbar, dieses ertragreiche politische Feld dürfe man doch nicht einfach den Grünen überlassen. Also wurde flugs deren Argumentation übernommen und ein Freisetzungsmoratorium bis 2010 gefordert. Man habe eben Ìdie Antennen ausgefahrenì, erklärt Bauerverband-Vizedirektor Josef Wüest den Gesinnungswandel. Man könnte das auch Opportunismus nennen.


Bauernverband: Moratorium für Freisetzungen

Bern. AP. Der Schweizerische Bauernverband (SBV) will in den nächsten zehn Jahren keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf Schweizer Feldern. Mit der Forderung nach einem Moratorium geht der SBV weiter als der Bundesrat, der in der Gen-Lex-Vorlage lediglich eine verschärfte Bewilligungspflicht vorsieht.

Die Landwirtschaftskammer des SBV hat sich am Mittwoch in Bern mit 38 zu 14 Stimmen für ein Moratorium bis 2010 für die kommerzielle Freisetzung von GVO ausgesprochen, wie der SBV mitteilte. Ausgenommen wird die Freisetzung zu Forschungszwecken. Für den SBV sind die Vorteile der Gentechnik für die Landwirtschaft zur Zeit nicht eindeutig. Dies hätten erste Freisetzungen in den USA gezeigt. Insbesondere in der Schweiz ergäben sich kaum Wettbewerbsvorteile. Zudem seien die Risiken von GVO noch zu wenig bekannt. Die Schweizer Landwirtschaft brauche wegen ihrer teuren Produktionskosten klare und strenge Qualitätsmerkmale, die ihr einen Wettbewerbsvorteil verschafften, sagte SBV-Sprecher Lorenz Bösch im Schweizer Radio DRS. Das Gentech-Moratorium sei ein solches Merkmal. Die Schweizer Konsumenten hätten in Umfragen mehrfach ihre Skepsis gegenüber gentechnisch veränderten Produkten geäussert. Weiter verlangt der SBV eine strenge Haftungsregelung für die Hersteller von GVO. Auf Bundesebene soll ein Risikofonds eingerichtet werden, der dann einspringt, wenn die Hersteller nicht zur Haftung herangezogen werden können.

Forschung nicht behindern

Durch das Moratorium werde die weitere Forschung nicht behindert, heisst es weiter. Die Gentechnologie werde sich weiter etablieren. Deshalb müssten Nutzen und Risiken erforscht werden, wobei der Forschungsplatz Schweiz mithalten müsse. Die Forschung soll aber laut SBV nicht nur auf die Gentechnologie konzentriert werden. Nach wie vor brauche es die traditionelle Saatgutzüchtung und genügend traditionelles Saatgut. Der SBV hatte sich bereits letztes Jahr für ein fünfjähriges Moratorium ausgesprochen.

Bald Parlamentsdebatte

Der Bundesrat schloss im Januar mit der Gen-Lex-Vorlage Rechtslücken in der Gentechnik an Pflanzen und Tieren. Hauptsächlich geändert wird das Umweltschutzgesetz. Die Freisetzung von GVO soll bewilligungspflichtig werden. Die Haftpflicht der Hersteller für ihre Produkte wird auf 30 Jahre ausgedehnt. Die Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG), der rund 25 Organisationen wie WWF und Greenpeace angehören, will mit einer Initiative ein Moratorium erreichen, falls das Parlament kein solches beschliesst. Viel Lob erntete der Bundesrat von bürgerlicher Seite und der Wirtschaft. Die Gen-Lex-Vorlage liegt zur Zeit in der vorberatenden Kommission des Ständerates.

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