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Demonstration gegen Genmais-Versuch

300 demonstrierten gegen ersten Schweizer Genmais-Versuch

Basler Zeitung, 29.3.99

Von Thomas Gerber

Gegen den geplanten Versuch zur Freisetzung von gentechnisch veränderten Maispflanzen haben in der Gemeinde Oftringen am Samstag rund 300 Personen demonstriert. Der Entscheid über das Anbaugesuch wird Mitte April erwartet. Einsprachen können bis ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Oftringen. "Das macht mich sauer", erzählte Kathrin Kuhn, Aargauer Nationalrätin der Grünen: "Die Versuchsfelder sind gegen die Bevölkerung abgesichert." Kuhn lief am Samstag an der Demonstration gegen den Versuchsanbau von gentechnisch verändertem Mais in Oftringen mit. Rund 300 Personen folgten dem Aufruf von Bürgergruppen, Bio-Bauern und der Umweltorganisation Greenpeace: Sie verliehen ihrer Ablehnung Nachdruck.

Die Oftringer Firma Plüss-Staufer AG, welche die Schweizer Generalvertretung der deutschen Chemiefirma Hoechst AG hält, hatte bei den Behörden im Bezirk Zofingen erreicht, dass die zwei Versuchsfelder von der Grösse eines 50-Meter-Bassins nicht mehr betreten werden dürfen. Denn die Firma Plüss-Staufer, deren Vertreter an einer öffentlichen Veranstaltung im Dezember den Widerstand der Einwohner der Gemeinde zu spüren bekamen, will dieses Jahr zwischen Mai und Oktober die gentechnisch veränderte Maissorte T25 der Hoechst-Tochter ArgEvo ausbringen (vgl. BaZ vom 17. 12. 1998). Das Gesuch liegt beim Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal).
Die bunte Schar aus Eltern mit Kindern, Bauern und Gentech-Gegnern zog am Samstag friedlich, wenn auch unter Polizeischutz, durch das ländliche, 10'000 Einwohner zählende Dorf. "Gentech-Mais will kein Schwein wann sieht das Plüss-Staufer ein", stand auf einem Transparent. Die Landwirtschaft brauche keinen Gentech-Mais. Die Risiken einer derartigen Freisetzung seien "nicht oder nur ungenügend erforscht", betonte ein Greenpeace-Sprecher. Der Anbau sei "sinnlos". Ein paar Jugendliche machten am Rande mit einem Transparent "Für Genmais" auf sich aufmerksam.

Beschwerde ans Bundesgericht?

Bei den beiden Versuchsfeldern wurden in Anlehnung an Vogelscheuchen sogenannte "Pollenscheuchen" aufgestellt: Als Symbol sollen sie "die bedrohlichen Gentech-Pollen von den Schweizer Feldern fernhalten", erläuterte Greenpeace. Plüss-Staufer begründet den Genmais-Versuch damit, es solle erprobt werden, ob die Pflanzen gegen das Herbizid "Liberty" resistent seien. Risiken für Mensch und Umwelt könnten ausgeschlossen werden. Die Positionen in diesem exemplarischen Streit wegen der erstmaligen Genmais-Anpflanzung in der Schweiz sind längst bezogen. Das Buwal will seinen Entscheid Mitte April bekanntgeben. Gegen das Gesuch der Plüss-Staufer AG sind rund 20 Stellungnahmen beim Buwal eingegangen. Sie gelten als Meinungsäusserung, die keine rechtliche Wirkung haben. Erst gegen die Bewilligung mit Auflagen sind Einsprachen möglich. Sie können bis vor das Bundesgericht weitergezogen werden und könnten somit die Aussaat in diesem Jahr verhindern.

Kanton gegen Moratorium

Ein "Regionales Komitee geGen-Mais" sammelte rund 3200 Unterschriften für eine Petition. Der Versuch sei "viel zu riskant für Menschen, Tiere und Pflanzen", heisst es. Die Aargauer Regierung verlangt in einer Eingabe an das Buwal, dass eine Begleitgruppe mit Vertretern der Gemeinde sowie des Kantons geschaffen wird und dass Sicherheitsmassnahmen festgelegt werden. Anderseits verwarf das Kantonsparlament Mitte März ein Genmais-Moratorium mit 94 gegen 70 Stimmen. Die Delegierten der Aargauischen Landwirtschaftlichen Gesellschaft (ALG) lehnten es an einer Versammlung ab, eine vom ALG-Vorstand verfasste Resolution gegen den Versuch zu verabschieden.

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