"Wir setzen voll auf die Schweiz"
VON MAX FISCHER
CORSIER (VD) - Die Hexen und Alchimisten von heute: Oberhalb von Vevey fabrizieren Wissenschafter mit verrückten High-Tech-Instrumenten die Medikamente für die Zukunft. Das Schweizer Chemieunternehmen Ares-Serono eröffnete gestern im Waadtland eines der modernsten und grössten Biotechnologie-Zentren der Welt.
Die Lage ist idyllisch: Herrliche Sicht auf Lac Léman und Alpen, mitten im
Grünen. Doch im Innern des 35000 Quadratmeter grossen und 300 Millionen Franken
teuren Komplexes - sechs Fussballfelder - ist's vorbei mit Heidi-Romantik.
Hergestellt werden von 200 hochqualifizierten Leuten biotechnologische Rohstoffe
aus Säugetierzellen.
Konkret: Die Wissenschafter nehmen die genetische Information eines Proteins,
programmieren damit tierische Kulturen und vermehren diese. Es entstehen
Medikamente wie Gonal, das weltweit am häufigsten verschriebene Medikament bei
Unfruchtbarkeit. Oder das Multiple-Sklerose-Mittel Rebif, auf der Basis von
Beta-Interferon.
"Wir wollen die Nummer eins in der Biotechnolgie werden", verkündet Firmenchef
und Mehrheitsaktionär Ernesto Bertarelli.
Der 33jährige Sprössling einer der reichsten Familien der Schweiz beherrscht
seit dem Tod seines Vaters Fabio im vergangenen Jahr zusammen mit seiner
Schwester Donatella und seiner Mutter über 80 Prozent der Aktionärsstimmen.
Was macht die Schweiz für ihn so attraktiv? "Unser Hauptsitz ist in Genf, unsere
bisher grösste Produktionsanlage in Aubonne im Waadtland. Da macht es Sinn, wenn
auch das neue Biotechnologie-Zentrum in der Nähe ist."
Der junge Multimilliardär nennt noch andere Gründe: "Als High-Tech-Unternehmen
ist für uns der Kontakt mit der Wissenschaft sehr wichtig." Im
Biotechnologie-Bereich seien die Hochschulen von Lausanne und Zürich Spitze.
Bertarelli lobt den hohen Ausbildungsgrad der Leute, schätzt Einsatzwillen und
Verantwortlichkeitsgefühl der Arbeitskräfte. "Wir setzen voll auf die Schweiz."
Von 1993 bis 2000 betragen die Investionen von Ares-Serono (Umsatz 1998 knapp
1,5 Milliarden Franken) allein in der Schweiz über eine halbe Milliarde Franken.
Er begreift, dass andere Unternehmer zurückhaltender sind: "Die Schweizer
Politik kümmert sich viel um soziale Probleme. Das ist gut. Um die nationale
Identität. Das ist auch gut. Und dann noch ein bisschen um die wirtschaftlichen
Anliegen. Das ist nicht gut."
Seiner Meinung nach müsste die Schweizer Politik 80 Prozent ihrer Arbeit auf
eine wirtschaftlich konkurrenzfähige Schweiz ausrichten.
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Letzte Änderung: 2004-11-30 00:00:00