bli990430

Biotech-Firma schafft 300 neue Arbeitsplätze

"Wir setzen voll auf die Schweiz"

VON MAX FISCHER

CORSIER (VD) - Die Hexen und Alchimisten von heute: Oberhalb von Vevey fabrizieren Wissenschafter mit verrückten High-Tech-Instrumenten die Medikamente für die Zukunft. Das Schweizer Chemieunternehmen Ares-Serono eröffnete gestern im Waadtland eines der modernsten und grössten Biotechnologie-Zentren der Welt.

Die Lage ist idyllisch: Herrliche Sicht auf Lac Léman und Alpen, mitten im Grünen. Doch im Innern des 35000 Quadratmeter grossen und 300 Millionen Franken teuren Komplexes - sechs Fussballfelder - ist's vorbei mit Heidi-Romantik. Hergestellt werden von 200 hochqualifizierten Leuten biotechnologische Rohstoffe aus Säugetierzellen.
Konkret: Die Wissenschafter nehmen die genetische Information eines Proteins, programmieren damit tierische Kulturen und vermehren diese. Es entstehen Medikamente wie Gonal, das weltweit am häufigsten verschriebene Medikament bei Unfruchtbarkeit. Oder das Multiple-Sklerose-Mittel Rebif, auf der Basis von Beta-Interferon.
"Wir wollen die Nummer eins in der Biotechnolgie werden", verkündet Firmenchef und Mehrheitsaktionär Ernesto Bertarelli. Der 33jährige Sprössling einer der reichsten Familien der Schweiz beherrscht seit dem Tod seines Vaters Fabio im vergangenen Jahr zusammen mit seiner Schwester Donatella und seiner Mutter über 80 Prozent der Aktionärsstimmen. Was macht die Schweiz für ihn so attraktiv? "Unser Hauptsitz ist in Genf, unsere bisher grösste Produktionsanlage in Aubonne im Waadtland. Da macht es Sinn, wenn auch das neue Biotechnologie-Zentrum in der Nähe ist."
Der junge Multimilliardär nennt noch andere Gründe: "Als High-Tech-Unternehmen ist für uns der Kontakt mit der Wissenschaft sehr wichtig." Im Biotechnologie-Bereich seien die Hochschulen von Lausanne und Zürich Spitze. Bertarelli lobt den hohen Ausbildungsgrad der Leute, schätzt Einsatzwillen und Verantwortlichkeitsgefühl der Arbeitskräfte. "Wir setzen voll auf die Schweiz." Von 1993 bis 2000 betragen die Investionen von Ares-Serono (Umsatz 1998 knapp 1,5 Milliarden Franken) allein in der Schweiz über eine halbe Milliarde Franken. Er begreift, dass andere Unternehmer zurückhaltender sind: "Die Schweizer Politik kümmert sich viel um soziale Probleme. Das ist gut. Um die nationale Identität. Das ist auch gut. Und dann noch ein bisschen um die wirtschaftlichen Anliegen. Das ist nicht gut."
Seiner Meinung nach müsste die Schweizer Politik 80 Prozent ihrer Arbeit auf eine wirtschaftlich konkurrenzfähige Schweiz ausrichten.

Blick 30.4.99
Top

made by