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Nachweise für Übertragung von BSE auf den Menschen

Washington/Göttingen (dpa) - Jüngste Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Rinderwahnsinn und der neuen Form der Creutzfeldt-Jakob- Krankheit (nvCJD) beim Menschen können nach Expertenansicht zu einem neuen BSE-Test führen.

Ein gentechnisch veränderter Mäusestamm zeigte nach Infektionen mit den Erregern von BSE und nvCJD identische Symptome. Der endgültige Nachweis für eine Übertragung auf den Menschen bleibt nach Expertenmeinung allerdings aus. Mit diesen Mäusen könnten Forscher nun jedoch endlich prüfen, ob in Muskelgewebe BSE-Erreger sind, sagte Walter Schulz-Schaeffer vom Referenzzentrum für Spongiforme Enzephalopathien der Universität Göttingen am Dienstag.

Das schottisch-amerikanische Team benutzte gentechnisch mutierte Mäuse, die in ihrem Gehirn das Prion-Protein gesunder Rinder produzieren. Die Forscher injizierten den Mäusen dann veränderte Prionen von BSE-kranken Rindern, erkrankten Gen-Mäusen und nvCJD- kranken Menschen. Alle Mäuse hatten nach der Inkubationszeit von rund 250 Tagen die gleichen krankhaften Strukturen im Gehirn - die Krankheit entsteht, wenn gesunde Prionen von kranken umgeformt werden.

In einem Gegenversuch hatten die Forscher veränderte Prionen von Scrapie-kranken Schafen in die Gen-Mäuse injiziert. Sie lösten völlig andere Gewebeveränderungen im Gehirn aus. «BSE und die neuen Variante von CJD erzeugen ein identisches Muster im Gehirn der Gen-Mäuse und diese Charakteristika unterscheiden sich von anderen CJD-Erkrankungen oder Scrapie des Schafes», kommentiert Mitautor Stephen DeArmond. Diese Ergebnisse zeigten eindeutig, dass der selbe Stamm von Prionen zu BSE und nvCJD führen könne.

Die Studie unter Leitung von Michael Scott vom San Francisco Institute for Neurogenerative Disease ist in der jüngsten Ausgabe der «Proceedings of the National Academy of Science» (Bd. 96, S. 15 137) veröffentlicht. Leiter des Instituts ist Prof. Stanley Prusiner, der für seine Arbeiten über Prionen 1997 den Nobelpreis erhalten hatte.

Ein Test auf Basis des Verfahrens eignet sich laut Schulze- Schaeffer jedoch nicht für den Schlachthof, weil die Inkubationszeit rund 250 Tage betrage. Ein BSE-Test auf Basis der Gen-Mäuse sei aber interessant, weil dabei nun die Artenbarriere ausgeschaltet sei. «Das Testsystem ist empfindlicher als alles, was wir bisher hatten.» Mit der Maus lasse sich die Infektiosität von Gewebe, Nahrungsmitteln oder Kosmetika zu prüfen.

Es werde lange dauern, bis der volle Umfang der nvCJD-Epidemie in Großbritannien deutlich sei, sagte der höchste medizinische Beamte der britischen Regierung, Prof. Liam Donaldson. «Wir werden noch mehrere Jahre lang nicht wissen, ob es sich um eine kleine Epidemie handelt - in anderen Worten: mit Hunderten (von Kranken) - oder um eine sehr große mit hunderttausenden», sagte er am Dienstag dem britischen Rundfunk BBC. Die neuen Forschungsergebnisse stellten seiner Ansicht nach jedoch den schlüssigsten möglichen Beweis für die Verbindung zwischen BSE und nvCJD dar.

Schulz-Schaeffer verwies darauf, dass der endgültige Nachweis noch aussteht. «Man bräuchte eine Maus, die das menschliche Prion- Protein trägt in der Form wie es die nvCJD-Patienten schon im gesunden Zustand haben.» Diese müsste ebenfalls infiziert werden können. «Wenn das gelänge, hätte man den formalen Beweis.»

Nach Angaben der britischen CJD-Überwachungsstelle gibt es bisher 46 bestätigte sowie zwei mögliche Fälle der nvCJD.

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