von Prof. em. Dr. Gottfried Schatz
Wenn es seine berühmten Kulturstätten nicht hätte, wäre Basel das, was es der Grösse nach eigentlich ist: eine Provinzstadt. Doch zum Glück gibt es nun einmal diese Kulturstätten und keine ist auch nur annähernd so alt wie die Universität. Seit mehr als einem halben Jahrtausend lockt sie immer wieder kluge Köpfe in die Basler Region und macht diese zu einem internationalen Wissens- und Forschungsplatz. Dies spüren sogar die Baselbieter, auf deren Hoheitsgebiet sich immer wieder junge high-tech Firmen niederlassen.
Doch derzeit erinnert mich unsere ehrwürdige Universität an Jonathan Swifts Gulliver, der von Liliputanern gefesselt am Boden liegt. Wenn eine Universität heute im weltweiten Wettstreit mithalten will, muss sie schnell auf neue Herausforderungen reagieren und sich nach internationalen Massstäben richten. Doch die Basler Universität hat ihre liebe Mühe, mit interkantonalen Problemen und dem Millimeterraster kantonaler Finanz- und Bildungspolitik zurechtzukommen. Kein Wunder, dass sie sich oft nur millimeterweise bewegen kann. Wenn Baselstadt hü sagt, sagt Baselland hott, und der Bund befiehlt in holprigem Amtsdeutsch wieder etwas anderes. Gleicher Meinung sind sich die drei nur darüber, dass die beiden anderen zahlen sollen. In diesem föderativen Bermudadreieck sind schon so manche hochfliegenden Pläne vom Radarschirm verschwunden. Der Kleinkrieg zwischen Baselstadt und Baselland von 1833 war tragisch, doch das jetzige Tauziehen ist peinlich. Wenn zwei Mikrokantone, die auf einer Europakarte nur mit der Lupe auszumachen sind, mit ihrem Finanzpoker eine ganze Universität immobilisieren, dann bezahlen die Zeche letztlich die Studierenden - und die Wissenschaft.
Dass es auch anders gehen kann, zeigte die Gründung der Fachhochschule beider Basel (FHBB). Hier zogen alle am gleichen Strick - und das Resultat kann sich sehen lassen. Aber solche Beispiele sind selten und interkantonale Liliputanerkämpfe lähmen weite Bereiche des Schweizer Hochschulsystems. Der helvetische Föderalismus hat viele Vorzüge, doch für die Hochschulen ist er nicht das Gelbe vom Ei. Es gibt zu viele Akteure und zu wenig klare Kompetenzen. Wer da nicht verwirrt ist, versteht die Situation nicht. So einfach ist das.
Prof. em. Dr. Gottfried Schatz, Reinach, E-Mail:
gottfried.schatz@unibas.ch
Gottfried Schatz wurde am 18. August 1936 in Strem, einem kleinen österreichischen Dorf nahe der ungarischen Grenze geboren. Er studierte in Graz Chemie und forschte dann als Biochemiker an der Universität Wien und am Public Health Research Institute der Stadt New York. Im Jahre 1968 emigrierte er mit seiner Familie in die USA und übernahm an der Cornell University in Ithaca im Staat New York eine Professur für Biochemie. Sechs Jahre später kehrte er nach Europa zurück, um am neu gegründeten Biozentrum der Universität Basel zu arbeiten und es auch für einige Jahre zu leiten.
Nach seiner Emeritierung im Jahre 1999 präsidierte er während vier Jahren den Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat (SWTR), ein unabhängiges Beratungsgremium des Schweizer Bundesrates. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen sowie zwei Ehrendoktorate und ist Mitglied vieler wissenschaftlicher Akademien in der ganzen Welt. Als Student und junger Assistent war er nebenher auch als Geiger im Grazer Philharmonischen Orchester und an österreichischen Opernhäusern tätig. Seine dänische Frau und er haben drei Kinder.
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Letzte Änderung: 2007-05-31 16:11:06