von Prof. em. Dr. Gottfried Schatz
Wollen Sie sich das Rauchen abgewöhnen? Können Sie nicht einschlafen? Oder haben Sie gar Liebeskummer? Magnetopathen versprechen, mit wundersamen Energieströmen Ihre Probleme wegzuzaubern - wenn's sein muss sogar über das Telefon. Mit den Magneten, die Sie vom Naturkundeunterricht kennen, haben sie allerdings wenig gemeinsam. Wer sich lieber der Obhut richtiger Magneten anvertraut, kann ein geheimnisvolles Kästchen, einige Batterien und eine dazu passende Matte erstehen und damit seine Leiden in das Reich magnetischer Schwingungen entsenden. Dass so ein Wunderding nicht billig sein kann, liegt auf der Hand. Die medizinische Wirksamkeit derart schwacher Magnetfelder ist zwar unbewiesen, doch da Glaube bekanntlich Berge versetzt, könnte er vielleicht auch einer Magnetmatte Heilkräfte verleihen.
Auch ich bin ein Magnet-Fan. Allerdings sind die von mir verehrten Magneten röhrenförmige Ungetüme, in denen ein menschlicher Körper nahezu durchsichtig wird. Noch vor zwei Jahrzehnten hatten solche MRI-Geräte Seltenheitswert, doch heute machen sie den altbewährten Röntgenapparaten auf vielen Gebieten Konkurrenz. Kein Wunder, denn sie sehen meist viel besser und sind erst noch ungefährlich. Allerdings sind sie noch etwas laut und verängstigen Patienten, die sich nicht gerne in eine enge Röhre stecken lassen. Aber eine MRI-Untersuchung tut garantiert nicht weh und liefert spektakuläre Bilder vom Inneren unseres Körpers. Weil die scharfen Augen der MRI-Geräte selbst winzige Tumore frühzeitig erkennen, haben sie schon vielen Krebskranken das Leben gerettet.
Die Entwicklung dieser Wundergeräte erforderte Magneten von bis dahin unerreichter Stärke sowie neue und hochkomplexe Computerprogramme, um aus den vom Gerät gelieferten Datenfluten ein scharfes Bild hervorzuzaubern. Wenn Sie mich vor dreissig Jahren gefragt hätten, welche Entdeckungen einmal dazu beitragen würden, den Krebstod zu verringern, hätte ich nie und nimmer auf neue Magneten und komplexe Software getippt. Innovative Forschung lässt sich eben weder vorhersagen noch planen. Wer dies versucht, versteht nichts von Forschung und erweist ihr einen Bärendienst. Schade, dass so viele unserer Forschungspolitiker dies nicht glauben wollen.
Prof. em. Dr. Gottfried Schatz, Reinach, E-Mail:
gottfried.schatz@unibas.ch
Gottfried Schatz wurde am 18. August 1936 in Strem, einem kleinen österreichischen Dorf nahe der ungarischen Grenze geboren. Er studierte in Graz Chemie und forschte dann als Biochemiker an der Universität Wien und am Public Health Research Institute der Stadt New York. Im Jahre 1968 emigrierte er mit seiner Familie in die USA und übernahm an der Cornell University in Ithaca im Staat New York eine Professur für Biochemie. Sechs Jahre später kehrte er nach Europa zurück, um am neu gegründeten Biozentrum der Universität Basel zu arbeiten und es auch für einige Jahre zu leiten.
Nach seiner Emeritierung im Jahre 1999 präsidierte er während vier Jahren den Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat (SWTR), ein unabhängiges Beratungsgremium des Schweizer Bundesrates. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen sowie zwei Ehrendoktorate und ist Mitglied vieler wissenschaftlicher Akademien in der ganzen Welt. Als Student und junger Assistent war er nebenher auch als Geiger im Grazer Philharmonischen Orchester und an österreichischen Opernhäusern tätig. Seine dänische Frau und er haben drei Kinder.
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Letzte Änderung: 2007-05-31 16:18:25