von Prof. em. Dr. Gottfried Schatz
Politik hat eine andere Logik als Wissenschaft. Dies muss so sein, denn ein guter Politiker sucht den Konsens, ein guter Wissenschafter jedoch Erkenntnisse, die dem Konsens widersprechen. Deswegen sind Wissenschafter meist schlechte Politiker - und umgekehrt. Doch wenn sich die politische Logik zu weit von der wissenschaftlichen entfernt oder gar Interessengruppen ihre eigene Logik basteln, wird es schnell brenzlig.
Dass Rauchen in der Schweiz jährlich etwa 8'000 Menschen tötet, doppelt so viele zu Invaliden macht, und etwa 10 Milliarden Franken Schaden verursacht, ist sattsam bekannt. Es ist auch kein Geheimnis, dass 90% der Raucherinnen und Raucher bereits als Jugendliche nikotinsüchtig werden, oft lebenslang süchtig bleiben, und nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern auch die von Nichtrauchern schädigen. Die mächtigen Tabakkonzerne versuchen diese Tatsachen mit blauem Dunst zu vernebeln, benützen dafür allerdings eine mir unverständliche Tabaklogik.
Wissenschaftliche Logik gebietet uns, die Killerdroge Tabak mit allen Mitteln zu bekämpfen. Doch so manche Parlamentarier setzen ihre Energie lieber dafür ein, uns vor gentechnisch verändertem Mais schützen. Offenbar erachten sie unbewiesene Gefahren (welche eigentlich?) schwerwiegender als das Faktum von Tausenden Tabak -Toten. Diese grüne Logik mit ihrer blauäugigen Schwarzmalerei mag für manche das Gelbe vom Ei sein, doch für mich ist sie ein rotes Tuch. Und dank politischer Logik dienen in der Schweiz immer noch etwa 10'000 Arbeitsplätze dem Tabakanbau und der Zigarettenproduktion. Da die Tabakindustrie den Schweizer Tabakbauern ihren Absatz mit stolzen 27'800 Franken pro Hektar und Jahr garantiert, können diese Bauern sich fast risikolos der Drogenproduktion widmen. Auch der Bund lässt sich nicht lumpen und unterstützt den Tabakanbau noch zusätzlich mit 1'200 Franken pro Hektar. Die dafür verantwortliche Bundesbehörde weist jeden Vorwurf weit von sich, da diese Subvention ja unabhängig von der Art der Bepflanzung sei. Dies ist wiederum Subventionslogik, die bekanntlich das genaue Gegenteil von wissenschaftlicher Logik ist. Vielleicht sollten wir es doch einmal mit dieser versuchen?
Prof. em. Dr. Gottfried Schatz, Reinach, E-Mail:
gottfried.schatz@unibas.ch
Gottfried Schatz wurde am 18. August 1936 in Strem, einem kleinen österreichischen Dorf nahe der ungarischen Grenze geboren. Er studierte in Graz Chemie und forschte dann als Biochemiker an der Universität Wien und am Public Health Research Institute der Stadt New York. Im Jahre 1968 emigrierte er mit seiner Familie in die USA und übernahm an der Cornell University in Ithaca im Staat New York eine Professur für Biochemie. Sechs Jahre später kehrte er nach Europa zurück, um am neu gegründeten Biozentrum der Universität Basel zu arbeiten und es auch für einige Jahre zu leiten.
Nach seiner Emeritierung im Jahre 1999 präsidierte er während vier Jahren den Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat (SWTR), ein unabhängiges Beratungsgremium des Schweizer Bundesrates. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen sowie zwei Ehrendoktorate und ist Mitglied vieler wissenschaftlicher Akademien in der ganzen Welt. Als Student und junger Assistent war er nebenher auch als Geiger im Grazer Philharmonischen Orchester und an österreichischen Opernhäusern tätig. Seine dänische Frau und er haben drei Kinder.
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Letzte Änderung: 2007-05-31 16:19:01