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WWF droht mit einer neuen Initiative

Der WWF hält eine Bewilligungspflicht für Gentech-Pflanzen für ungenügend. Falls der «Fehlentscheid» nicht revidiert werde, will die Umweltorganisation ein Verbot mit einer neuen Initiative erzwingen.

Denis von Burg
«Alles andere als ein Verbot für die Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen ist völlig ungenügend», sagt Bernadette Oehen, Projektleiterin Gen-Schutz beim WWF Schweiz: «Der Verzicht auf ein Freisetzungsverbot in der Gen-Lex ist ein Fehlentscheid des Bundesrates, der die Entwicklung der Schweizer Landwirtschaft in Frage stellt.» Denn das Nebeneinander von gentechfreier Landwirtschaft und Gen-Landwirtschaft sei nicht möglich, argumentiert man beim WWF: Pollenflug beeinträchtigt ganze Regionen, in denen dann der garantiert gentechfreie Anbau der gleichen Produkte praktisch nicht mehr möglich ist.

Neue Initiative
Um in der traditionellen und der biologischen Landwirtschaft Gentechfreiheit garantieren zu können, müssten in dem in Aussicht gestellten Bewilligungsverfahren so grosse Hürden eingebaut werden, dass dies in der kleinräumigen Schweiz de facto auf ein Totalverbot des Anbaus von Gentechpflanzen hinausliefe. Ein Bewilligungsverfahren sei aber darauf angelegt, dass der Anbau grundsätzlich möglich sei, erklärt Oehen. Deshalb mag man sich bei den Umweltverbänden gar nicht erstauf eine Diskussion über adäquate Bewilligungsverfahren einlassen. Vielmehr demonstriert der WWF Kampfbereitschaft: «Wenn der Entscheid nicht revidiert wird», so Oehen, «werden wir eine neue Genschutz-Initiative lancieren und so ein Freisetzungsverbot für gentechnich veränderte Pflanzen erzwingen.»
Zwar wurde die erste Genschutz-Initiative, die bereits ein Freisetzungsverbot beinhaltete, im Juni 1998 mit einer Zweidrittelsmehrheit abgelehnt. Die Abstimmungsanalysen zeigten aber hernach, dass das Nein vorab durch die Angst vor einem Verzicht auf Gentech-Medizin motiviert war. Viele Gentechskeptiker ordneten ihre grundsätzlichen Bedenken gegen die Gentechnologie der Hoffnung auf eine bessere Medizin unter. Neuere Umfragen zeigen auch, dass über 70 Prozent der Schweizer Gentechlebensmittel ablehnen. Beim WWF gibt man deshalb einer auf die Freisetzung von Gentech-Pflanzen fokussierten Initiative durchaus Chancen.

Gentechlobby zufrieden
Doch bevor die Initiativdrohung in die Tat umgesetzt wird, geht der Gentechstreit ins Parlament. Dieses muss die Gen-Lex des Bundesrates noch absegnen. Und bereits bringen sich die Parteien in Stellung: Die FDP lobt den Vorentscheid des Bundesrates als «die einzige vertretbare Marschrichtung und fordert die Regierung auf, in den noch offenen Fragen im gleichen Sinn zu entscheiden: Insbesondere sei auf den «innovationsfeindlichen «Nutzensnachweis» im Bewilligungsverfahren zu verzichten und vor einer übertriebenen Verschärfung der Haftpflichtregelung abzusehen.
Mit dieser Haltung hat die FDP die mächtige und finanzstarke Gentechlobby hinter sich: «Der Entscheid ist ganz in unserem Sinn», erklärte Beda Stadler, Stiftungsrat der «Gen Suisse» und Professor am Immunologischen Institut der Universität Bern.
Und Conrad Engler von der Interpharma meinte nach dem Vorentscheid der Landesregierung: «Wir nehmen mit Genugtuung zur Kenntnis, dass es in der Schweiz zu keinem Gentechverbot kommen wird. Ein Bewilligungsverfahren nach bereits gültiger Freisetzungverordnung ist richtig und adäquat. Eine Verschärfung der Bedingungen liegt aber nicht drin.» *

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