Medienmitteilung: Wissenschaftler sind sehr besorgt über die wissenschaftsfeindliche Haltung des Schweizerischen Bauernverband, sowie einiger Entwicklungs- und Umweltorganisationen.

Bern, 16. März 2006

Zürich, den 16. März 2006. Eine grosse Anzahl Wissenschaftler aus Hochschulen und Universitäten sind irritiert und besorgt ob der neuen Angst-Kampagne, welche Bauern, Entwicklungshelfer und Umweltorganisationen gegen die grüne Gentechnologie führen. Bei der zur Diskussion stehenden Terminator-Technologie, welche die Erzeugung von Pflanzen mit sterilem Saatgut ermöglicht, handelt es sich um eine Methode, die verantwortungsvoll eingesetzt die Lösung eines zentralen Problems der Biosicherheit ermöglicht.

Mit der so genannten Terminator-Technologie (TT) soll die spontane Keimung von Samen verhindert werden. Damit könnte ein sehr effizientes Biosicherheitssystem geschaffen werden, das die unerwünschte Verbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) über verloren gegangene Samen oder Auskreuzung verhindert. Damit würde ein zentrales Argument gegen die Anwendung der Grünen Gentechnik entkräftet. TT könnte die Koexistenz von GVP mit anderen, konventionellen Landwirtschafts­systemen ermöglichen und damit jene Wahlfreiheit schaffen, die von der Öffentlichkeit immer verlangt wird, und zwar sowohl für den Bauern als auch für den Konsumenten.

Diese Technologie ist jedoch noch nicht erforscht. Es wurde von Anfang an gegen diese Chance zur Biosicherheit mit falschen ökonomischen Argumenten polemisiert. Die Wahl eines Bauern für ein zweckmässiges Saatgut gehört zur Freiheit der Betriebsführung. In einem freien Markt ist niemand gezwungen, Gentechnik einzusetzen auch nicht TT, wenn sie dem Anwender keinen Nutzen bringt. Diese öffentliche Polemik hat aber verhindert, dass sich die Forschung auf diesem Gebiet effizient engagiert hat. In der Folge ist diese Technologie noch gar nicht etabliert. Es gibt bisher kein funktionstüchtiges System, das überprüft werden könnte.

Wir sind der Meinung, dass alle Methoden Schritt für Schritt erforscht werden sollten und ihre Anwendungs­möglichkeit prüft werden sollten, ehe über ein Verbot möglicher Missbräuche vernünftig entschieden werden kann. Es gibt weltweit durch das schrittweise Vorgehen bei der Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen genügend Möglichkeiten, bei einem Hinweis auf mögliche Missbräuche, die Zulassung zu verweigern. Dazu braucht es keine pauschalen a priori Verbote.

Das Argument, die sogenannte TT als neuartige, unmoralischen Methode zur Unterwerfung der Bauern dar zu stellen, sticht nicht. Landwirtschaftliche Systeme, bei welchen die Nachzucht von Saatgut aus der eigenen Ernte nicht möglich sind, existieren bereits seit langem in der Landwirtschaft der Industrieländer, ohne dass dies zur Abhängigkeit oder Verarmung der Bauern geführt hätte. Dazu gehört Hybridmais, der als Nachzucht seinen Ertragsvorteil rasch einbüsst. Die aktuellen Probleme der Landwirtschaft sind auf anderen Gebieten zu suchen.

Die Schweiz als kleines Land ohne Bodenschätze lebt von ihrer Innovationskraft, d.h. der Entwicklung und Erprobung neuer Technologien. Die Schweiz nimmt in der Pflanzen­wissen­schaft international eine angesehene Stellung ein. Das neue Nationale Forschungsprogramm 59 (Nutzen und Risiken Gentechnisch veränderter Pflanzen) soll zu diesem Ansehen beitragen. Aus der Luft gegriffene Argumente von NGOS, ohne wissenschaftlichen Wert, möglicherweise geäussert von Regierungsdelegationen, tragen nicht zum Ansehen der Schweiz im Ausland bei.

Inzwischen haben sich bereits einige Länder, die mit der neuen Technologie rational umgehen, wie Kanada, Australien, Neuseeland und England gegen ein Verbot der sogenannten Terminator-Technologie ausgesprochen und plädieren für Entscheidungen von Fall zu Fall. Dieses Vorgehen ist bei der Zulassung von GVP ohnehin in jedem Fall vorgesehen.

Der Verein Forschung will die Bevölkerung informieren über Ziele, Aufgaben, Ergebnisse und Bedeutung der biologischen und medizinischen Forschung sowie der genetischen Forschung, der Tierversuche, der Forschung in der Landwirtschaft und die Schaffung von Grundlagen zur ethischen Bewältigung des mit diesem Bereich verbundenen Fortschritts (www.forschung-leben.ch).

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