Karlsruhe (ots) - Die hoch angesehene "Royal Society", Grossbritanniens führende wissenschaftliche Institution, ist jetzt nach umfassenden Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass die Fütterungsstudien von Prof. Pusztai am schottischen Rowett Research Institute (Verfütterung gentechnisch veränderter Kartoffeln an Ratten) keinerlei Rückschlüsse auf angebliche Gesundheitsrisiken durch gentechnisch veränderte Lebensmittel zulassen. Der Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik hatte hierauf bereits im Februar 1999 hingewiesen. Der Bericht der Royal Society nennt Pusztais Studie "flawed in many aspects of design, execution and analysis" ("fehlerhaft in Aufbau, Durchführung und Bewertung").
Gleichzeitig hat das britische "House of Commons Science and Technology Committee" (Parlamentsausschuss für Wissenschaft und Technologie) Forderungen nach einem Moratorium für gentechnisch veränderte Pflanzen zurückgewiesen. Der Sprecher des Komitees, Michael Clark, wird in den Medien zitiert: "We have seen no evidence to suggest that the risks associated with GM foods are any higher than those associated with conventional foods." (Wir haben keine Hinweise darauf gefunden, dass Risiken im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln in irgendeiner Weise höher sind als solche mit konventionellen Lebensmitteln.).
In den Medien hat die Pusztai-Studie enorme Beachtung gefunden und zu einer erhitzten Diskussion, vor allem in der britischen Öffentlichkeit, über die Sicherheit gentechnisch veränderter Lebensmittel geführt.
Zusammenfassend sind aus Sicht des Wissenschaftlerkreises Grüne Gentechnik folgende Feststellungen von zentraler Bedeutung:
(1) Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Gesundheitsschäden bei
Pusztais Ratten auf gentechnische Verfahren zurückzuführen sind.
(2) Die von Pusztai verfütterten Kartoffeln sind weder auf dem
Markt noch wurde eine Marktzulassung beantragt.
(3) Die Studie lässt keinerlei Rückschlüsse auf eine angebliche
Gesundheitsgefährdung durch bereits zugelassene gentechnisch
veränderte Lebensmittel (z.B. Mais, Soja, Raps) zu.
(4) Es bestehen keine Lücken in der Sicherheitsbewertung
gentechnisch veränderter Lebensmittel.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Kreises Grüne Gentechnik sprechen sich für eine strenge Sicherheitsbewertung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln aus. Die sogenannte "Pusztai-Studie" lässt jedoch keinerlei Rückschlüsse zu, dass die existierenden Bewertungsverfahren zu ändern seien.
Bei konventionellen Lebensmitteln sind Risikobewertungen nahezu unbekannt, während für neuartige Lebensmittel aus der Gentechnik frühzeitige Untersuchungen zur gesundheitlichen Bewertung der Gene, der Genprodukte und der Gesamtlebensmittel zwingend vorgeschrieben sind. Dem vorbeugenden Verbraucherschutz wird Rechnung getragen. Verbraucherinnen und Verbraucher sind keine "Versuchskaninchen", wie oft behauptet wird.
Die von einigen wenigen Kritikern ständig wiederholte emotionale Kritik am Einsatz der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ist kein Dienst am Verbraucher. Sie versorgt zwar die Medien mit Schlagzeilen, dient jedoch nicht der sachlichen Diskussion über ein wichtiges Thema.
Die Mitglieder des Wissenschaftlerkreises Grüne Gentechnik eint ein optimistisches, aber nicht unkritisches Verhältnis zur Grünen Gentechnik. Sie bekennen sich zu einem verantwortlichen Umgang mit dieser Zukunftstechnologie und zur Verantwortung, als Fachwissenschaftler an der kontroversen öffentlichen
Debatte aktiv teilzunehmen. Dem Kreis gehören 42 deutsche, österreichische und Schweizer Wissenschaftler aus den Bereichen Ernährungswissenschaften, Lebensmitteltechnologie, Molekularbiologie, Mikrobiologie und Pflanzenzüchtung an.
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Letzte Änderung: 2004-11-30 00:00:00