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Neue, gentechnisch verbesserte Reissorten

können dazu beitragen, Eisen- und Vitamin-A Mangel in Entwicklungsländern zu beheben

Zürich (ots) Wissenschaftlern ist es gelungen, Reispflanzen gentechnisch so zu verändern, dass sie die menschliche Versorgung mit Vitamin A und Eisen verbessern. Dies wurde heute am 16. Internationalen Botanikerkongress in St. Louis, MO, USA bekanntgegeben. Vor allem in Entwicklungsländern, in denen Reis oft das alleinige Grundnahrungsmittel darstellt, ist Eisen- und Vitamin A-Mangel mitverantwortlich für die hohe Sterblichkeitsrate und Invalidität von Müttern und Kindern. Neue Gentech-Reissorten können dazu beitragen, das Ausmass dieser Mangelerkrankungen zu verringern.

Massgeblich am Erfolg dieser Forschungsarbeiten beteiligt ist die Arbeitsgruppe um Prof. Ingo Potrykus von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich zusammen mit der Gruppe um Dr. Peter Beyer von der Universität Freiburg i.Br. Finanziert wurden die Arbeiten ausschliesslich durch die öffentliche Hand und durch non-profit Organisationen. In den kommenden Jahren werden die neuen Eigenschaften am Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI) auf den Philippinen in verschiedene lokale Zuchtsorten eingekreuzt, welche schliesslich den Reisbauern kostenlos zum Anbau zur Verfügung gestellt werden.

Das Reiskorn enthält eine Substanz (Phytinsäure), welche die Aufnahme von Eisen im menschlichen Verdauungstrakt stark behindert. Zudem produzieren Reispflanzen nur in den grünen Pflanzenteilen, nicht aber im Reiskorn selbst, die lebenswichtigen Vorstufen von Vitamin-A (Provitamin A). Deshalb sind Blutarmut (Anämien) und Vitamin-A Mangel in jenen Regionen weit verbreitet, in denen Reis als alleiniges Hauptnahrungsmittel dient. Insbesondere Kleinkinder, die hauptsächlich mit Reis ernährt werden, sind daher besonders anfällig auf diese Mangelerkrankungen.

Durch Eisenmangel verursachte Anämien gelten weltweit als die am weitesten verbreiteten Mangelerscheinungen. Laut UNICEF sind schätzungsweise 3.7 Milliarden Menschen vom Eisenmangel betroffen. In Entwicklungsländern leiden wischen 40 % und 50 % der unter Fünfjährigen und über 50 % der schwangeren Frauen an Eisenmangel.

Vom Vitamin-A Mangel sind über 100 Millionen Kinder im Vorschulalter betroffen. Aber auch Frauen im gebärfähigen Alter leiden darunter. Vitamin-A ist wichtig für die Funktion des Immunsystems und verantwortlich für den Schutz der Schleimhautzellen. Vitamin-A Mangel führt zu einer erhöhten Infektionsanfälligkeit, zu Nachtblindheit und in schweren Fällen zur vollständigen Erblindung. Mehr als 1 Million Kinder sterben jährlich an den Folgen von Vitamin-A Mangel.

Durch entsprechende Nahrungsmittelzusätze konnten die erwähnten Mangelerscheinungen bisher nur teilweise behoben werden.

Den an der ETH Zürich herangezogenen Reispflanzen wurden zwei Gene, eines aus der Gartenbohne und eines aus einem Schimmelpilz eingefügt. Zusätzlich wurde ein reis-eigenes Gen verändert. Dadurch weisen die Pflanzen einen doppelten Eisengehalt auf. Zudem kann in diesen Reiskörnern die Phytinsäure durch kochen vollständig zerstört werden, was die Eisenaufnahme im Verdauungstrakt verbessert.

Nachdem andere Reispflanzen mit Hilfe der Gentechnik zwei Gene aus der Osterglocke und ein Gen aus dem Bakterium Erwinia uredovora hinzugefügt wurden, enthalten jetzt auch die geschälten Körner eine Vorstufe von Vitamin A. Im menschlichen Verdauungstrakt wird die Vorstufe (beta-Karotin) in Vitamin A umgewandelt. Einige der gentechnisch veränderten Pflanzenlinien enthalten genügend beta-Karotin, um mit 300 g gekochtem Reis den täglichen Vitamin-A Bedarf zu decken.

Die neuen Reislinien werden nun etliche Jahre getestet, um ihre Unbedenklichkeit für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu prüfen. Die neuen Sorten müssen zuerst von den jeweiligen nationalen Behörden bewilligt werden, bevor sie anschliessend bei lokalen Züchtern in mehrjährigen Versuchsreihen weiter getestet werden. Bevor die Sorten mit den vielversprechenden neuen Eigenschaften also schliesslich von den Reisbauern angebaut werden können, werden die Mangelerscheinungen weiterhin ein grosses Problem darstellen.

InterNutrition, der schweizerische Arbeitskreis für Forschung und Ernährung, führt mit der Öffentlichkeit den Dialog über Forschung und die praktische Anwendung zukunftsgerichteter Technologien in der Nahrungsmittelgewinnung und -verarbeitung. Zu den Gründungsmitgliedern zählen Unternehmen aus der Saatgut- und Nahrungsmittelproduktion sowie deren Branchenverbände.

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