Ernährung: Genmanipulierte Hefepilze - Im Dienste des Bieres
Bierliebhaber werden ihre Biervorräte in Zukunft deutlich aufstocken können. Denn mit Hilfe einer genmanipulierten Brauhefe ist es Forschern der Technischen Universtät Berlin gelungen, die durch Oxidation bedingten negativen Geschmacksveränderungen des beliebten Getränkes zu verhindern.
© REUTERS Bier - ewige Frische Dank genmanipulierter Brauhefe? Schon seit
mehreren Jahren beschäftigen sich die Forscher des Institut für Biotechnologie
der TU Berlin mit der Herstellung geschmacksstabilerer Biere. Mit der
erfolgreichen Entwicklung einer gentechnisch veränderten Brauhefe scheint ihnen
jetzt der Durchbruch gelungen zu sein.
Bisher liess sich Bier nur über einen begrenzten Zeitraum lagern - dann verliert
es geschmacklich deutlich an Qualität. Schuld daran sind Oxidationsprozesse, die
zu einer Zersetzung der Aromastoffe führen. Das von dem Brauhefepilz
Saccharomyces cervisiae gebildete Enzym Superoxiddismutase (SOD) verhindert
diesen Vorgang, indem es die für die Geschmacksstoffe zerstörerischen
Superoxidradikale eliminiert. Radikale sind aufgrund fehlender Elektronen
besonders reaktionsfreudig und verändern dadurch chemische Strukturen. Aber
leider kommt die SOD nur im Inneren der Hefezellen vor und wird normalerweise
nicht nach aussen abgegeben. Doch genau dort entstehen die reaktionsfreudigen
Substanzen, die dem Bier seines unvergleichlichen Geschmacks berauben.
Weil das deutsche Reinheitsgebot für Bier eine direkte Zugabe des
"Radikalenfängers" verbietet, veränderten Edeltraud Mast-Gerlach und Ulf Stahl
das genetische Material der Brauhefe so, dass die SOD von der Zelle ausgeschleust
werden und die zersetzenden Radikale neutralisieren kann.
"Aus Sicherheitsgründen haben wir keine fremden DNA-Abschnitte eingebaut und die Hefe
nur durch Umlagerung einzelner Gensequenzen für unsere Zwecke verändert",
erklärt Mast-Gerlach. Mit Gefahren für den Verbraucher ist deshalb nach
Einschätzung der Chemikerin nicht zu rechnen.
Zwar haben schon einige Brauereien ihr Interesse für das neue
Herstellungsverfahren bekundet. Doch bis zur Zulassung und zum industriellen
Einsatz der Hefe wird sich der Eine oder Andere wohl noch öfter über zu alt
gewordenes Bier ärgern müssen - oder schneller trinken.
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Letzte Änderung: 2004-11-30 00:00:00