sda000114

ETH Zürich: Gen-Reis zur Bekämpfung von Vitamin-A-Mangel

Zürich (sda) Forscher der ETH Zürich haben eine genetisch veränderte Reispflanze entwickelt, die zur Bekämpfung des Mangels an Vitamin A beitragen könnte. Damit könnte das Erblinden von Millionen von Kindern in der Dritten Welt verhindert werden.

Am Institut für Pflanzenwissenschaften der ETH Zürich ist es gelungen, einer Reissorte drei zusätzliche Gene einzupflanzen. Weil dadurch in den Reiskörnern verstärkt Beta-Karotin entsteht, wird beim Menschen die Produktion von Vitamin A unterstützt. Die Erkenntnisse der Zürcher Forscher wurden in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Science" veröffentlicht.

Diese Sorte von genetisch verändertem Reis sei "ein wichtiger Beitrag zur Verringerung eines grossen medizinischen Problems in der Dritten Welt", erklärte der ETH-Pflanzenbiologe Ingo Potrykus auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Nutzniesser dieser Entwicklung seien weltweit rund 400 Millionen Kinder. Vitamin-A-Mangel kann zu vollkommener Blindheit führen.

Gratis an Reisbauern in der Dritten Welt abgeben

Die Forscher schlagen nun vor, den genetisch veränderten Reis, der eine goldene Farbe hat, gratis an die Kleinbauern in den bevölkerungsreichsten Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Südamerika abzugeben. Bis es soweit ist, dürften allerdings etwa zweieinhalb Jahre vergehen, schätzt ETH-Forscher Potrykus.

Zunächst wird das genetisch veränderte Material zehn Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt zur Verfügung gestellt. Dort soll es in die ertragreichsten Reissorten eingekreuzt werden. Umfangreiche Feldversuche sollen genauere Erkenntnisse über den Gen-Reis liefern, insbesondere über die Essbarkeit. Schliesslich sollen die Reiszüchter und Reisbauern beliefert werden.

Unabhängige Forschung

Das Gen-Reis gegen den Vitamin-A-Mangel ist das Resultat von neun Jahren Forschung. Dabei haben die Zürcher Pflanzenbiologen mit Forschern der Universität Freiburg im Breisgau zusammengearbeitet. Die Ergebnisse wurden im vergangenen Sommer in den USA erstmals vorgestellt. Das Echo von Fachleuten und Medien sei riesig gewesen, sagt Potrykus.

Die Forschungsarbeiten seien ohne Unterstützung der Industrie erfolgt. Damit sei die Unabhängigkeit der Forschung gewährleistet gewesen. Potrykus ist überzeugt, dass die genveränderte Reispflanze zur Bekämpfung des Vitamin-A-Mangels eine grössere Akzeptanz der Biotechnologie herbeiführen wird.

Top

made by