Im Interesse von Gesundheit und Wissenschaft
Bern (sda) "Regeln statt Verbote": Nach diesem Motto verfährt die FDP auch bei der Stammzellenforschung. Sie verlangt eine liberale Gesetzgebung, welche die Forschung an überzähligen Embryonen aus der Fortpflanzungsmedizin in der Schweiz erlaubt.
Die Freisinnigen haben am Montag in Bern ihr Positionspapier "Verantwortungsvolle Stammzellenforschung im Interesse von Gesundheit und Wissenschaft" präsentiert. Sie leisten damit ihren Beitrag in der Diskussion zum Embryonenforschungsgesetz, das der Bundesrat demnächst in die Vernehmlassung schicken will.
"Die Forschung mit embryonalen Stammzellen ist ethisch nicht nur vertretbar, sondern sogar geboten", sagte der Zürcher Nationalrat und Arzt Felix Gutzwiller vor den Medien: Stammzellen seien "Hoffnungsträger" für neuartige Therapien bei Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer, Multipler Sklerose, Diabetes und Herzinfarkt.
Bedenkliche Doppelmoral
Im Namen ihrer Partei forderte die Berner Ständerätin und Fraktionspräsidentin Christine Beerli eine rasche rechtliche Regelung der Stammzellenforschung. Es zeuge von "bedenklicher Doppelmoral", wenn wegen einer Gesetzeslücke nur die Forschung an importierten überzähligen Embryonen möglich sei.
Die FDP verlangt deshalb, dass die in der Fortpflanzungsmedizin in der Schweiz anfallenden überzähligen Embryonen nicht länger vernichtet werden müssen, sondern für die Stammzellenforschung verwendet werden dürfen. Sie formuliert aber strenge Bedingungen, die sich an den Kriterien des Nationalfonds und der Akademie der medizinischen Wissenschaften orientieren.
Nur wenn's anders nicht geht
Nach Ansicht der FDP muss die Forschung am embryonalen Stammzellen dem Prinzip der Wissenschaftlichkeit genügen. Das Projekt darf nicht kommerzieller Natur sein. Es muss zudem therapeutischen Zwecken dienen, die sich mit andern Methoden - beispielsweise mit der Forschung an adulten Zellen - nicht erreichen lassen.
Laut FDP muss Gewähr dafür bestehen, dass die Embryonen aus legalen Verfahren der Fortpflanzungsmedizin stammen. Die "Herstellung" von Embryonen zu Forschungszwecken komme nicht in Frage. Ausserdem verlangt die FDP die Zustimmung beider Elternteile. Dringlich sei es schliesslich, die Folgen für das Gesundheitswesen und dessen Finanzierung abzuschätzen.
Wichtig für den Forschungsplatz
Nach Ansicht der FDP ist die Stammzellenforschung für den Forschungsplatz Schweiz von grosser Bedeutung. Ohne liberale Regelung dieser zukunftsträchtigen Sparte drohe die Abwanderung von Forschern und Unternehmen, heisst es im Positonspapier. Die Waadtländer Grossrätin Isabelle Moret sprach von einem Markt, der 2010 weltweit gegen 60 Milliarden Dollar ausmachen könnte.
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Letzte Änderung: 2004-11-30 00:00:00