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Bürgermeinungen zur embryonalen Stammzellenforschung

"Der Kopf sagt ja, das Gefühl nein" - oder umgekehrt

Bern (sda) Schweizer Bürgerinnen und Bürger könnten die Stammzellenforschung mit menschlichen Embryonen allenfalls akzeptieren, wenn sie unter strengen Regeln erfolgt. So lautet das Fazit mehrerer Bürgerdiskussionsrunden in der ganzen Schweiz.

Das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA SWISS) sammelte im April und Mai im Rahmen von Gesprächsrunden Bürgermeinungen zu diesem Thema. Am Montag wurde das Ergebnis an einer Medienkonferenz in Bern präsentiert.

Hintergrund bildete der Entwurf zum Embryonenforschungsgesetz, der Ende Mai in die Vernehmlassung ging. Die Forschung an überzählen Embryonen und embryonalen Stammzellen soll demnach unter restriktiven Bedingungen erlaubt sein. Verboten bliebe die Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken.

Hoffnungen und Befürchtungen

Die Stammzellenforschung weckt nicht zuletzt bei Patienten mit bis anhin als unheilbar geltenden Krankheiten grosse Hoffnungen. Die Stammzellengewinnung ist umstritten, wenn hierfür Embryonen vernichtet werden. Daneben werden auch die Verwendung adulter und tierischer Stammzellen sowie therapeutisches Klonen erforscht.

An den sechs TA-SWISS-Diskussionsrunden in der Deutschschweiz, der Romandie und im Tessin nahmen insgesamt 50 Bürgerinnen und Bürger teil. Die Gesprächsteilnehmer wurden teilweise zufällig, teilweise bewusst ausgewählt: Frauen, religiöse Menschen und betroffene Patienten.

Hin und her gerissen

"Der Kopf sagt ja, das Gefühl sagt nein" zitiert TA SWISS die Aussage einer Gesprächsteilnehmerin. Es könne aber auch gerade umgekehrt sein, sagte der Ethiker Alberto Bondolfi vor den Medien. Die persönliche Meinung decke sich nicht immer mit dem, was der Betreffende vom Staat dann schliesslisch verlange.

Die ambivalente Haltung gehe quer durch die Gruppen. Es seien keine geschlechtsspezifischen oder wohnortabhängigen Unterschiede festzustellen.

Völlige Einigkeit herrschte laut TA SWISS nur in einem: Sollte die Gewinnung embryonaler Stammzellen in der Schweiz verboten werden, müsse auch deren Einfuhr aus dem Ausland untersagt werden. Wettbewerbsfähigkeit allein dürfe kein Grund sein, die Forschung an Embryonen voran zu treiben.

Die Zustimmung oder Ablehnung hänge davon ab, wie die betreffende Person existenzielle Fragen beantworte: Wann beginnt das Leben? Welchen moralischen Wert hat ein Embryo? Wie soll das Lebensrecht eines wenige Tage alten Embryos gegen die Hoffnung schwer Kranker abgewogen werden?

Pragmatische Haltung

In allen Gesprächsrunden waren sowohl beharrliche Gegner als auch überzeugte Befürworter vertreten. In der Überzahl waren laut TA SWISS Personen, die sich hin- und hergerissen fühlen. Zu konkreten Fragen nahmen sie indes eine pragmatische Haltung ein: Unter strengen Reglen stimmen sie der Forschung zu - wenn auch ohne Begeisterung.

Das TA SWISS ist dem Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat angegliedert, der seinerseits den Bundesrat berät. Es untersucht die Auswirkungen von Technolgien auf Umwelt, menschliche Gesundheit, Wirtschaft und Politik und berücksichtigt auch ethische Implikationen des technologischen Wandels.

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