Bern (sda) Die Schweizer Pharmaindustrie leistet Pionierarbeit. Sie hat einen Ehrenkodex zum Kampf gegen Bioterrorismus erarbeitet. Damit will sie dazu beitragen, dass Pharma-Produkte nicht missbraucht werden. Die Charta könnte weltweit Schule machen.
Die beiden Pharma-Multis Novartis und Roche sowie das Biotechnologieunternehmen Serono haben die Erklärung verfasst, nachdem NGOs und die amerikanische Regierung sie am Weltwirtschaftsforum in New York auf die Gefahren des Missbrauchs von Medikamenten für terroristische Zwecke hingewiesen hatten.
Thomas Cueni, Generalsekretär von Interpharma, welche Roche, Novartis und Serono vereinigt, bestätigte eine Artikel, der am Mittwoch in der Westschweizer Tageszeitung "La Liberté" erschienen ist.
Die drei Pharma-Unternehmen unterzeichneten den Kodex "Leitprinzipien zur Vermeidung des Missbrauchs von biologisch gefährlichen Substanzen" bereits im Mai. Damit ergänzten sie ihre schon bestehenden Sicherheitsvorschriften.
Regeln zur Vermeidung von Unfällen oder Verhinderung der Spionage hätten zwar schon längst bestanden. Mit dem Kodex habe man aber auf die ständig wachsende Gefahr des Bioterrorismus reagieren wollen.
Internationaler Handlungsbedarf
Dieser Accord auf privater Ebene ersetze selbstverständlich nicht staatliche Massnahmen, sagte Cueni weiter. Die Privatinitiative könne staatliches Handeln lediglich ergänzen. Auch auf internationaler Ebene müsse ein Biowaffen-Verbot stipuliert werden, welches die UNO kontrollierte, forderte Cueni.
Der Kodex sei für die Pharma-Unternehmen zwar insofern verpflichtend, als dass sie bei Zuwiderhandlung ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzten. Nie aber könne er staatliche Kontrollen in Labors ersetzen, sagte Cueni weiter.
Dass Labors von unabhängigen Instanzen hätten kontrolliert werden sollen, brachte allerdings die Verhandlungen zu einem internationalen Abkommen im November zum Scheitern. Die USA wollten ihre Labors nicht öffnen aus Gründen des Industriegeheimnisses und der Verteidigung.
Pionierrolle
"Wir sind bereit, eine Pionierrolle zu übernehmen, falls der Ehrenkodex auch von anderen Unternehmen übernommen wird, vor allem von Labors in den USA", erklärte Cueni. Der Interpharma-Vertreter hofft zudem, dass der Kampf gegen den Bioterrorismus demnächst in der Internationalen Pharma-Vereinigung (IFPMA) zum Thema wird.
Die Interpharma hat ihren Kodex schon mehreren betroffenen Stellen vorgelegt, unter anderem dem amerikanischen Gesundheitsminister Tommy Thompson. "Die Reaktion war mehr als positiv", freut sich Cueni. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass unser Ehrenkodex schon bald weltweit Standard sein wird."
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Letzte Änderung: 2004-11-30 00:00:00