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Neue Methoden in der Fortpflanzungsmedizin: Viele Möglichkeiten - grosser Diskussionsbedarf

Zürich (sda) Zehn bis fünfzehn Prozent aller Paare in der Schweiz sind ungewollt kinderlos. Bereits in ein paar Jahren ist bei der künstlichen Fortpflanzung mit neuen Methoden zu rechnen - und mit heftigen Diskussionen.
Das Spektrum der Forschungsansätze ist gross: Es reicht von der blossen Fortführung bereits angewandter Verfahren bis hin zur umstrittenen Klontechnologie. Erste Neuerungen in der Praxis dürfte es bei den Hormonen geben, die Frauen vor einer "In-vitro-Fertilisation" (IVF) oder "Befruchtung im Glas" einnehmen.
In zwei bis drei Jahren könnten Hormone erhältlich sein, die viel seltener eingenommen werden müssen, sagt Bruno Imthurn, Leitender Arzt für Frauenheilkunde am Zürcher Uni-Spital, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.
"Ethisch stellt dies keine grundsätzlich neuen Fragen", urteilt Christoph Rehmann-Sutter, Präsident der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK-CNE): "Wenn wir davon ausgehen, dass IVF eine akzeptierte Technik ist." "Reifung im Glas"
Auch die in anderen Ländern bereits praktizierte "In-vitro-Maturation" (IVM) - das Heranwachsen unreifer Eizellen in einer Nährlösung - hält Rehman-Sutter grundsätzlich für akzeptabel: "IVM ist eine Erweiterung der bekannten Methode." Wichtig sei aber vorgängig eine sorgfältige Risikoabklärung.
Der Basler Ethiker Rehmann-Sutter äussert hier seine persönliche Sicht. Die NEK hat zu den Methoden, deren Anwendung hierzulande weiter in der Zukunft liegt, keine Position gefasst. Auch juristisch ist vieles offen.
Die IVM-Bemühungen waren bislang erst teilweise erfolgreich. Es gibt zwar gesunde Kinder, die mit der IVM-Methode gezeugt wurden, aber viele Eizellen erreichen nie das Reifestadium. "Die Nährlösung ist noch nicht gut genug" erklärt Imthurn.
Ein Vater - zwei Mütter
Das Auffrischen von Eizellen mit fremder Zellflüssigkeit bereitet ebenfalls Schwierigkeiten. Spezialisten aus dem US-Bundesstaat New Jersey erreichten damit zwar ihr erstes Ziel: die Eizellen älterer Frauen wurden dank der Zellflüssigkeit jüngerer Spenderinnen vitaler und entwickelten sich zusammen mit der Samenzelle zu gesunden Embryonen, Föten und schliesslich Kindern.
Allerdings gelangte auf diese Weise genetisches Material aus der Zellflüssigkeit der Spenderin in den entstehenden Embryo. Damit haben die Kinder nun einen Vater, aber zwei genetische Mütter.
"Sehr problematisch" findet Imthurn: Die US-Kolleginnen und Kollegen hätten nur ungenügende Vorversuche durchgeführt. Schlimm sei nicht das Ergebnis, sondern die Art wie es zustandekam.
Dass Kinder zwei genetische Mütter hätten, sei in diesem Fall ein "eher konstruiertes Problem", sagt Rehmann-Sutter. Es gehe nicht um den Zellkern. Alle sicht- und spürbaren Eigenschaften eines solchen Kindes stammten von der eigentlichen Mutter.
Zwei Väter, zwei Mütter
Sehr skeptisch ist Rehmann-Sutter bei Verfahren, die auf Klontechnologie basieren: "Hier soll auf Biegen und Brechen ein genetisch eigenes Kind erzeugt werden." Die Gefahr, dass gegenüber diesem "technologischen Heroismus" das Kindeswohl vergessen werde, sei gross.
"Künstliche Fortpflanzungszellen" sollen Paaren helfen, bei denen gar keine kompatiblen Samen- oder Eizellen vorhanden sind. Auch gleichgeschlechtliche Paare könnten so dereinst gemeinsam Eltern eines leiblichen Kindes werden.Das ist allerdings Zukunftsmusik. In der Schweiz haben sich die Eidg. Räte im Stammzellenforschungsgesetz ausserdem gegen Techniken ausgesprochen, die dem Klonen verwandt sind. Nicht ohne eine Hintertür offenzulassen: Wenn neue Regeln für die Fortpflanzungsmedizin erlassen werden, würden die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt, hiess es.
Die alltägliche Anwendung der meisten hier beschriebenen Möglichkeiten liegt derweil noch in ferner Zukunft. Imthurn rechnet mit mindestens 20 Jahren. Der Gesellschaft bleibt also Zeit, sich auf einen Umgang mit den neuen Technologien zu verständigen.

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