Opponenten sollen rasch Klärung durch Bundesgericht erwirken
Zürich (sda) Die ETH Zürich will ihr umstrittenes Feldexperiment mit gentechnisch verändertem Weizen in Lindau ZH noch im März starten. Sie fordert die Opponenten des Versuchs auf, rasch einen definitiven Entscheid des Bundesgerichts zu erwirken.
"Warten sie mit ihrer Beschwerde zu, dann werden wir in der zweiten Märzhälfte aussäen, sobald es die Witterungsbedingungen erlauben", sagte der für die Forschung zuständige ETH-Vizedirektor Ulrich W. Suter am Donnerstag vor den Medien.
Der Präsident des Bundesgerichts hat laut ETH-Sprecher Rolf Probala in Aussicht gestellt, Beschwerden nur dann die aufschiebende Wirkung zu gewähren, wenn sie rasch erhoben würden. Wenn die Verwaltungsgerichtsbeschwerden bald in Lausanne einträfen, könnten sie noch vor Mitte März entschieden sein. Das Gesuch für den Feldversuch wurde vor viereinhalb Jahren erstmals eingereicht.
Mediationsverfahren mit Gentech-Kritikern
Die ETH hoffe, mit gentech-kritischen Bauern-, Umwelt- und Konsumgentenorganisationen unter neutraler Leitung an einem "runden Tisch" nach Lösungen für den künftigen Umgang mit Feldversuchen und der grünen Gentechnikforschung suchen zu können.
Vor einem Jahr sei das von der ETH vorgeschlagene Mediationsverfahren noch ausgeschlagen worden. Vor wenigen Tagen hätten Gentech-Kritiker dem ETH-Präsidenten nun mitgeteilt, sie seien an einem Gespräch interessiert.
Für den aktuellen Versuch komme das Gespräch nun aber zu spät, meinte Suter. Vor einem Jahr sei die ETH noch bereit gewesen, auch das Gen-Weizen-Experiment zur Diskussion zu stellen.
"Zeichen für die Grundlagenforschung"
Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hat die Beschwerde gegen die im November 2003 erteilte Bewilligung des Freilandversuchs mit transgenem Weizen vor einer Woche abgelehnt. Nach Ansicht der ETH hat es damit "ein unmissverständliches Zeichen für die Grundlagenforschung" gesetzt.
Für das Versuchsfeld der Forschungsstation in Lindau wurden der ETH nach den Worten des zuständigen Forschers Christof Sautter strenge Sicherheitsvorschriften auferlegt: So muss zum Schutz vor Pollenverbreitung während der Blütezeit ein pollendichtes Zelt über die Pflanzenbeete errichtet werden. Zudem gibt es um und über die Beete einen Maschendrahtzaun und Vogelschutznetze.
Der Freilandversuch dauert rund vier Monate. Die Pilotpflanzen des Experiments dienten ausschliesslich Forschungszwecken, wurde betont. Sie würden weder kommerziell angebaut, noch seien sie zum Verzehr bestimmt.
Zweiter Gentech-Freilandversuch in der Schweiz
Der Versuch in Lindau, bei dem die Resistenz von Weizen gegen Brandpilze untersucht wird, ist das zweite Feldexperiment mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Beim ersten Freisetzungsversuch in der Schweiz beschäftigte sich die ETH in Changins VD mit der Resistenz von Gentech-Kartoffeln gegen Mehltau.
Auch wenn die Schweiz eine "gentechfreie Insel" bleiben sollte, brauche sie in Zukunft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die diese Technologien kennen und mit ihr umgehen können, sagte ETH-Vizedirektor Suter.
Die Grundlagenforschung an unabhängigen Hochschulen bilde ein Gegengewicht zur gewinnorientierten Forschung der Industrie. Forschung und Lehre in der grünen Gentechnik sei aber nicht möglich
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Letzte Änderung: 2004-09-17 09:35:59