Schweizer stehen Gentechnik eher skeptisch gegenüber
Zürich (sda) Die Schweizer Bevölkerung ist in den letzten Jahren gegenüber der Gentechnik wieder skeptischer geworden. Das zeigt eine Studie der Universität Zürich. Allerdings glauben immer noch fast 50 Prozent, dass Gentechnik ihr Leben verbessern wird.
Während im Jahr 2000 noch 59 Prozent von tausend Befragten der Meinung waren, die Bio- und Gentechnologie werde ihr Leben in den kommenden zwei Jahrzehnten verbessern, waren es 2002/03 nur noch 48 Prozent.
20 statt vorher 15 Prozent erwarteten eine Verschlechterung, wie der Leiter der Studie, Heinz Bonfadelli vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ) einen Artikel im Schweizer Forschungsmagazin "Horizonte" bestätigte.
Mehrheit gegen Gentechnik
Gesunken ist in den letzten drei Jahren auch die Akzeptanz der Gentechnik. Nur noch 22 Prozent sind dafür (2000: 27 Prozent), während die Gegner mit 38 Prozent gleich stark blieben. 40 Prozent konnten sich weder dafür noch dagegen entscheiden oder gaben an, sich nie damit befasst zu haben.
Bonfadelli erklärt die steigende Skepsis mit dem abnehmenden Einfluss der 1998 abgelehnten Genschutzinitiative. Vor allem die intensive Kampagne der Initiativen-Gegner habe damals die Meinung der Leute zu Gunsten der Gentechnik beeinflusst. Jetzt, ein paar Jahre später, trete die ambivalente Grundhaltung wieder stärker hervor.
Kein Genfood
Besonders schlecht weg kommt die Herstellung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Beinahe 60 Prozent der Befragten ist der Ansicht, dass Genfood eher oder ganz und gar überflüssig ist. Nur zehn Prozent sind voll und ganz vom Nutzen von Genfood überzeugt. 58 Prozent sehen es gar als eine Gefahr für kommende Generationen.
87 Prozent gaben an, sie würden nicht einmal dann gentechnisch veränderte Lebensmittel kaufen, wenn sie im Vergleich billiger wären. Nur 11 Prozent der Befragten wäre es wichtiger zu sparen.
Meinungen noch nicht gemacht
Weniger klar wäre die Ablehnung, wenn Genfood umweltschonender produziert würde als "normale" Produkte: 37 Prozent würden es dann kaufen, 55 Prozent trotzdem nicht. Diese Meinungen sind allerdings nicht in Stein gemeisselt: Immerhin 37 Prozent gaben an, ihrer Einstellung zum Thema Genfood nicht sicher zu sein.
Interessant im Zusammenhang mit dem geplanten Freisetzungsversuch der ETH Zürich ist die Haltung der Befragten zum Anbau von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen: Nur 7 Prozent wollen ihn unbedingt fördern, 33 Prozent sind "eher" dafür. 17 Prozent sind total dagegen, 31 Prozent wollen "eher nichts davon wissen.
Eine klare Mehrheit macht sich beim Anbau der so genannten "Gencrops" Sorgen um die Umwelt. 57 Prozent halten das Anpflanzen für schädlich für die Umwelt, 22 Prozent nicht.
Gentests weniger akzeptiert
Immer noch eher positiv stehen die Schweizerinnen und Schweizer Gentests gegenüber. Fast zwei Drittel wollen sie fördern. Allerdings nahm die Akzeptanz der Gentest gegenüber der Umfrage im Jahr 2000 deutlich ab.
Und wenn es um konkrete Beispiele geht, überwiegt auch hier das Misstrauen: Die Frage, ob sie einen Gentest machen würden, um eine Krankheit herauszufinden, verneinten 64 Prozent.
Die Schweizer Studie ist Teil des EU-Forschungsprojekts "Life Sciences in European Society". Sie gehört zu den Eurobarometer-Studien, die seit 1997 alle drei Jahre durchgeführt werden. Von November 2002 bis März 2003 wurden 1026 Personen aus der ganzen Schweiz befragt.
© 2009
, Postfach, 3000 Bern 14 - Tel.: +41 31 356 73 84, Fax +41 31 356 73 01
Letzte Änderung: 2004-09-17 09:35:59