sda040516

Umstrittener Startschuss für Genfood

EU-Kommission lässt erstmals seit fünf Jahren Genmais neu zu

Von Stephanie Lob, AFP

Brüssel (sda/afp) Als "Mister Genfood" könnte David Byrne einmal in die EU-Annalen eingehen. Denn für den Verbraucherkommissar besteht kein Zweifel: Genlebensmittel sind so sicher wie herkömmliche produzierte.

Drei Viertel der europäischen Verbraucher sind anderer Meinung: Genfood kommt mir nicht auf den Tisch, haben sie in Umfragen immer wieder betont. Dennoch wird Byrne am kommenden Mittwoch erstmals seit fünf Jahren wieder dafür sorgen, dass ein neues Genlebensmittel EU-weit zugelassen wird.

Syngenta erhofft sich Signalwirkung

Auf Byrnes Tisch liegt ein Antrag des Schweizer Agrokonzerns Syngenta. Für dessen Süssmais mit dem Namen BT-11 will der EU-Kommissar nun den Startschuss geben. Der Mais ist gentechnisch verändert und gegen einen Schädling namens Maiszünsler resistent.

Gibt Byrne wie angekündigt sein Ja, kann das Saatgut für den Mais erstmals in die EU importiert werden - und zwar aus den USA, wo es bereits im grossen Stil angebaut wird. Eine "Signalwirkung" erhoffe sich Syngenta davon, sagt Sprecher Markus Payer. Ein Signal, dass die Gentechnologie in Europa nach langem Tauziehen endlich anerkannt ist.

Was Genlebensmittel angeht, hat die EU in den vergangenen Monaten eine neue Phase eingeleitet. Seit Mitte April müssen gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe auf Lebensmitteln erstmals gekennzeichnet werden. Damit ist aber auch das seit 1998 geltende De-Facto-Verbot für die Neuzulassung von Genfood gefallen.

Lebensmittelkonzerne aus Nicht-EU-Staaten können nun erstmals wieder gentechnisch veränderte Produkte auf den europäischen Markt bringen. Vorausgesetzt, sie durchlaufen ein mehrstufiges Zulassungsverfahren.

Nicht alle Zweifel ausräumt

Der Syngenta-Mais hat alle Tests erfolgreich hinter sich gebracht. Ein wissenschaftlicher EU-Ausschuss hat ihm Unbedenklichkeit bescheinigt. Dennoch sind nicht alle Zweifel ausgeräumt.

Die deutsche Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) etwa kritisierte, es seien noch "toxikologische und allergologische Fragen" offen.

Gentechnik-Gegner hoffen, das Problem werde sich mangels Nachfrage selbst erledigen. "Die Verbraucher in Europa haben sich entschieden, und zwar ganz klar für gentechnikfreie Produkte", sagt Greenpeace-Experte Henning Strodthoff. Der Syngenta-Mais, gibt er sich überzeugt, habe deshalb keine Chance, in den Läden zu landen.

Kein schneller Profit

Auch Syngenta-Sprecher Payer räumt ein, es werde noch "etwas Zeit brauchen", bis sich die Verbraucher an Genfood gewöhnten. Dass der BT-11-Mais nach der Zulassung durch Byrne einen schnellen Profit abwirft, glaubt nicht einmal der Konzern.

Aber "mittel- oder langfristig" liessen sich die Verbraucher dann doch von den Vorteilen von Genfood überzeugen, hofft er. Darauf hoffen auch andere Anbieter: Neben dem Syngenta-Mais warten derzeit acht weitere Genlebensmittel, davon sechs aus den Labors des US-Konzerns Monsanto, auf die Zulassung aus Brüssel.

Top

made by