Brüssel (sda) Die EU-Kommission hat am Mittwoch keinen Entscheid zum Toleranzwert für Gentech-Verunreinigung bei herkömmlichem Saatgut gefällt. Jedoch wird erstmals eine gentechnisch veränderte Pflanze in der ganzen EU zum Anbau zugelassen.
17 Sorten des "MON 810"-Mais von Monsanto sollen in den EU-Sortenkatalog aufgenommen werden. Jedes im gemeinsamen Sortenkatalog verzeichnete Saatgut darf in allen EU-Staaten angebaut werden. Zugelassen war der Mais in der EU bereits seit 1998, er wurde in Spanien während mehreren Jahren angebaut.
Das Produkt der Firma Monsanto muss als gentechnisch verändert gekennzeichnet sein. Für den Bauern gebe es damit Wahlfreiheit, heisst es von Seiten der EU-Kommission. Umweltorganisationen hingegen sprechen von einem "Desaster", der Entscheid öffne der von den Konsumentinnen und Konsumenten nicht erwünschten Gentechnik Tür und Tor.
Keinen Entscheid fällte die Kommission an ihrer wöchentlichen Sitzung zur Kennzeichnung von gentechnisch verunreinigtem Saatgut. Der Plan wurde kurzfristig von der Tagesordnung genommen worden. Die Kommission will die wirtschaftlichen Auswirkungen der verschiedenen Schwellenwerte für Landwirtschaft und Industrie vertiefter prüfen.
Laut dem ursprünglichen Vorschlag sollte Saatgut von Raps und Mais künftig nur dann gekennzeichnet werden, wenn Gentechnik-Spuren einen Schwellenwert von 0,3 Prozent überschreiten. Zu Verunreinigungen an herkömmlichem Saatgut kann es etwa dann kommen, wenn Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen auf Nachbarfelder fliegen.
Umweltschützer und grüne Europaparlamentarier begrüssten den Rückzieher als einen "Teilerfolg". Sie hatten das Vorhaben im Vorfeld massiv kritisiert, da sie den Schwellenwert für zu hoch halten.
© 2009
, Postfach, 3000 Bern 14 - Tel.: +41 31 356 73 84, Fax +41 31 356 73 01
Letzte Änderung: 2004-10-01 15:12:05