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Beratung des Gentech-Moratoriums im Nationalrat: Wissenschaftler gegen Initiative auf den Barrikaden

Bern (sda) Zwei Wochen vor der Beratung der Volksinitiative für ein fünfjähriges Gentech-Moratorium im Nationalrat haben sich am Donnerstag führende Biotechnologie-Wissenschaftler zu Wort gemeldet. Das Moratorium werde zum Eigengoal, warnten sie.

Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen schreite weltweit genauso voran wie die Erforschung dieser Organismen, sagte Wilhelm Gruissem, Professor am Institut für Pflanzenwissenschaften der ETH Zürich und Vorsteher des Zurich-Basel Plant Centers, vor den Medien im Botanischen Garten in Bern. Zur Medienorientierung eingeladen hatte der 1990 von Fachleuten gegründete Verein "Forschung für Leben".

Rege Grundlagenforschung ...

In der Schweiz liefen derzeit fast 100 Projekte von über 200 Wissenschaftlern, erklärte Gruissem. Bei Zitierungen in Fachorganen und Forschungsarbeiten hielten Schweizer Biotechnologie-Forscher weltweit Spitzenplätze. Viel Grundlagenforschung laufe.

Zahlreiche Pflanzen, die derzeit international erforscht würden, seien für die Schweiz höchst interessant. Darunter seien solche, die den Schwermetallgehalt im Boden vermindern könnten.

... aber kaum Anwendungsforschung

Nun habe aber all diese Forschung in der Schweiz einen Pferdefuss, führte der Freiburger Professor Jean-Pierre Metraux aus. Die Pflanzen könnten gar nicht oder nur nach äusserst aufwändigen Verfahren in der Anwendung erforscht werden.

Firmen seien aber an der Anwendung der Grundlagenerkenntnisse interessiert. Da dies in der Schweiz kaum möglich sei, fehle der Forschung das Geld.

Sein Institut in Freiburg habe mit einem Freilandversuch mit schorf- und fäuleresistenten Kartoffeln nach Frankreich ausweichen müssen, obwohl diese Kartoffeln nicht vermehrungsfähig waren.

Anti-Gentech-Propaganda verfängt

Der Berner Immunologie Professor Beda Stadler sagte, der Bund unterstütze die Genforschung zwar noch, baue aber ab. Die Gleichung "Genfood gleich Gift" sei dermassen erfolgreich kommuniziert worden, dass sogar Staatschefs hungernder afrikanischer Nationen Nahrungshilfe in Form von genverändertem US-Mais zurückwiesen. Und die Skepsis in der Schweiz sei nicht geringer.

Spreche sich die Grosse Kammer für die Moratoriums-Initiative aus, schneide sich die Schweiz ins eigene Fleisch, lautete der Grundtenor der Wissenschaftler. Auch der Landwirt und Agraringenieur Fredi Binder, Vizepräsident des Zürcher Bauernverbands, warnte vor einem Moratorium.

Damit würde eine Chance der im immer stärkeren Wettbewerb stehenden Schweizer Landwirtschaft vertan. Die Anbaumethoden im internationalen Umfeld und besonders in Europa blieben nicht stehen. Die Schweizer Bauern bräuchten gleich lange Spiesse.

Im Nationalrat steht die Beratung des Gentech-Moratoriums für den 14. Juni auf der Traktandenliste. Die vorberatende Kommission befürwortete das Moratorium mit 13 zu 10 Stimmen. Der Ständerat hatte das Volksbegehren aus Konsumenten-, Umwelt- und bäuerlichen Kreisen noch mit 32 zu 7 Stimmen abgeschmettert.

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