Bern (sda) Bauern-, Konsumenten-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen spannen zusammen, um der Gentechfrei-Initiative am 27. November zum Erfolg zu verhelfen. Sie haben am Mittwoch in Bern ihre Kampagne gestartet.
Die Volksinitiative "für Lebensmittel aus gentechnikfreier Landwirtschaft" verlangt einen fünfjährigen Verzicht auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen und auf gentechnisch veränderte Tiere in der Lebensmittelproduktion. Forschungsvorhaben fallen nicht unter das Moratorium.
Breit abgestützt
Der Nationalrat hat die Initiative mit 93 zu 92 Stimmen abgelehnt, der Ständerat mit 35 zu 10. Die Trägerorganisationen sind dennoch optimistisch. 99 National- und Ständeräte unterstützen die Initiative, und fast 1100 kantonale Politiker aus allen Parteien machen mit. Für die Kampagne steht 1 Million Franken zur Verfügung.
Dieser breite Rückhalt sei die Basis einer Erfolg versprechenden Abstimmungskampagne, sagte Ständerätin Simonetta Sommaruga (SP/BE). Das Volksbegehren wolle mit dem Moratorium nachholen, was das Parlament schon lange hätte tun sollen. Umfragen bewiesen es: Die Bevölkerung wolle keine Gentechnik in Lebensmitteln.
Am Markt vorbei
Es mache für die Landwirtschaft keinen Sinn, etwas anzubauen, was niemand kaufen wolle, sagte SVP-Nationalrat Hansjörg Walther als Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV). Zudem würde der Einzug der Gentechnologie in den Lebensmittelbereich die Produkte massiv verteuern.
Walther zitierte eine Studie aus der EU, dass die Massnahmen zur Verhinderung gentechnischer Verunreinigungen die Landwirtschaftsbetriebe rund 80 bis 520 Franken pro Hektare kosten würden. Ein derartiger Kostenschub sei den schweizerischen Bauernfamilien nicht zuzumuten.
Forschung vorantreiben
Das Moratorium müsse für Forschungsarbeiten genutzt werden, forderte Walther. Die Gefahren der Gentechnologie in der Landwirtschaft müssten analysiert werden. Nötig seien praktische Feldversuche, welche die Koexistenz der Produktion mit und ohne Gentechnik und deren Kosten untersuchten.
Mit dem Anbau der heute am Markt angebotenen Gentech-Pflanzen würde die Schweizer Landwirtschaft einen ökologischen Schritt zurück machen, sagte die grüne Nationalrätin Maya Graf. Gentechfreiheit sei eine Chance für die Schweizer Lebensmittelbranche, sagte der Weichkäsefabrikant Stephan Baer.
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Letzte Änderung: 2005-11-15 00:00:00