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Ablehnung des Genmais-Versuchs

in Oftringen durch das Buwal "Chance verpasst" oder "Sieg der Vernunft"

Reaktionen

Oftringen, 16. April (sda) Aufatmen bei den Gegnern und bei der Gemeinde Oftringen, durchatmen und neue Kräfte sammeln bei der Gesuchstellerin: Der Entscheid des Buwal, den Versuch mit gentechnisch verändertem Mais nicht zu bewilligen, hat am Freitag erwartungsgemäss unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Das Nein des Buwal sei eine verpasste Chance, schreibt die Gesuchstellerin, die Firma Plüss-Staufer AG, in ihrer Stellungnahme. Nach dem heutigen Wissens- und Erfahrungsstand gebe es keine Hinweise, wonach die Freisetzungsversuche Mensch oder Umwelt in irgend einer Form gefährdet hätten. Plüss-Staufer überlege sich, gegen den Entscheid des Buwal beim zuständigen Departement Rekurs einzulegen.

Selbst ein Ja zum Gesuch hätte noch kein grünes Licht für einen Anbau von gentechnisch verändertem Mais bedeutet, gibt Plüss-Staufer zu bedenken. Ein Ja hätte aber einen Ansatz dargestellt, den Schweizer Bauern in einem zunehmend liberalisierten Markt zu gleichlangen Spiessen zu verhelfen.

Auf der Linie des Gemeinderates

Er sei vom Entscheid überrascht, erklärte der Gemeindeammann von Oftringen, Heinz Senn. Mit seiner Argumentation liege das Buwal aber voll auf der Linie des Gemeinderates. Dieser habe gefordert, dass jegliches Restrisiko ausgeschlossen werden müsse. Die Komplexität der Abläufe im mikrobiologischen Bereich sei aber offenbar zu gross, als dass das Buwal dem Versuch zustimmen konnte.

Für die Gemeinde Oftringen sei die Situation jetzt um einiges einfacher, sagte Senn weiter. Die Gegner des Anbauversuches hätten sich bis jetzt zwar fair verhalten, aber es sei damit zu rechnen gewesen, dass es zu Aktionen gegen Anbauflächen und Pflanzen gekommen wäre. Dies hätte von der Gemeinde einen grossen Aufwand erfordert, um die Sicherheit der Versuchsanlagen zu gewährleisten.

Schutz für die Biobauern

Das Buwal habe sich für die Interessen der Biobauern und Anwohner sowie für das Vorsorgeprinzip entschieden, kommentiert der WWF Schweiz in einer Pressemitteilung den Entscheid. Der Bevölkerung sei beim Abstimmungskampf um die Gen-Schutz-Initiative versprochen worden, Gesuche bezüglich Ethik und Sicherheit genau zu prüfen. Das Buwal habe diese schwierige Aufgabe vorläufig gelöst. Der Entscheid werde in Europa Beachtung finden, glaubt der WWF.

Grosse Erleichterung äusserte ein Vertreter des lokalen Komitees "geGen Mais" , welches 3232 Unterschriften gegen den Versuch gesammelt hatte. Es sei erfreulich, dass das Buwal die wenigen Biobauern im Lande schütze und mit diesem Entscheid anerkenne, meinte Komiteemitglied Dieter Scheibler, selber Biobauer. Der Kampf habe sich gelohnt. Wichtig sei gewesen, dass die unmittelbare Gefährdung habe aufgezeigt werden können.

Als "einen Sieg der Vernunft" bezeichnet die Umweltorganisation Greenpeace das Verdikt. Das Buwal habe die zahlreichen Bedenken, welche die Umweltorganisationen gegen den Versuch vorgelegt haben, offensichtlich ernst genommen. Der Buwal-Entscheid sei ein Schritt in Richtung nachhaltige Landwirtschaft und eine Abkehr von einer chemielastigen und genmanipulierten Agrarproduktion.

Herbizide austesten

Plüss-Staufer hatte im vergangenen Herbst im Namen der Hoechst-Tochter "AgrEvo" beim Buwal um eine Bewilligung für die Freisetzung von Genmais nachgesucht. Dabei sollte es nicht primär um einen Versuch mit gentechnisch verändertem Mais, sondern um die Erprobung von Herbiziden gehen. Die Gesuchstellerin wollte auf zwei Feldern in Oftringen ein Produkt testen, welches selektiv gegen Unkräuter im T25-Mais vorgeht.

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