Washington (sda/dpa) US-Forscher haben künstliche Erbgut-Bausteine erfolgreich in Herzzellen eingeschleust. Statt mit einem abgeschwächten Virus als "Gen-Taxi" haben sie das genetische Material "mit Druck" in kranke Herzgefässe und schlaffe Herzmuskeln befördert.
Die synthetischen Erbgut-Bausteine erreichten in 90 Prozent aller Fälle den Kern von Blugefässzellen im Herzen. Im Herzmuskel lag die Erfolgsrate bei 50 Prozent.
Das ist eine weitaus höhere Erfolgsrate als die des "Gen-Taxis" und anderer Verfahren, mit denen genetisches Material derzeit in krankes Gewebe transportiert wird, schreibt das Team um Victor Dzau vom Brigham and Women's Hospital in Boston in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Bd. 96, S. 6411) vom Dienstag.
Mit den DNA-Bausteinen versuchen Wissenschaftler, die Funktion krankmachender und mutierter Gene in Herzgewebe oder anderen Organen zu blockieren. Doch die bisherigen "Gen-Taxis", Erreger wie das abgeschwächte Adenovirus und Lipidlösungen, sind relativ uneffizient und bergen oftmals ein Gesundheitsrisiko.
Dagegen erreichten die synthetischen DNA-Bausteine unter Druck nicht nur die meisten Zellkerne, sondern wirkten auch wie erwartet. Das heisst, sie unterdrückten tatsächlich die Funktion jener Gene, auf die sie ausgerichtet waren, berichten Dzau und Kollegen.
Sie setzten die Bausteine (Oligodeoxynukleotide) in eine Lösung, dann unter einen bestimmten Druck und injizierten sie zum einen in Beinvenen (Vena saphena) und zum anderen in den Herzmuskel von Ratten. Die Vena saphena ist jenes Blutgefäss aus dem Bein, das Mediziner bei Bypass-Operationen verwenden, um das Blut im Herz umzuleiten.
Mit ihrem neuen Verfahren erreichen die US-Forscher "die gleichen Druckverhältnisse innerhalb und ausserhalb des (Ziel-)gewebes und verhindern damit, dass dieses gedehnt oder anderweitig beschädigt wird". Damit glauben sie, eine "sichere und effiziente Methode" gefunden zu haben, um Herzkrankheiten mit geringerer Gefahr gentechnologisch zu behandeln.
© 2009
, Postfach, 3000 Bern 14 - Tel.: +41 31 356 73 84, Fax +41 31 356 73 01
Letzte Änderung: 2004-09-17 09:35:59