EU-Vereinbarung schlägt in der Schweiz keine hohen Wellen
Bern (sda) Der vorläufige Zulassungsstopp von Gen-Pflanzen, den die EU-Umweltminister am Donnerstag in Luxemburg vereinbart haben, löst in der Schweiz unterschiedliche Reaktionen aus. Hohe Wellen schlägt er allerdings nicht.
In der Schweiz liegt zur Zeit kein Gesuch vor, transgene Pflanzen anzubauen, wie Olivier Félix, Chef der Abteilung Produktionsmittel im Bundesamt für Landwirtschaft (BWL), am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Bisher sei keine transgene Pflanze im Freiland angebaut worden.
Nach der Ablehnung von zwei Freisetzungsversuchen durch das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) lägen auch keine Gesuche für Versuche mehr vor. Die Freisetzungsverordnung, Teil des Umweltschutzgesetzes, sei derzeit in Vorbereitung.
Das Buwal seinerseits verweist in seiner Mitteilung auf die Gen-Lex-Vorlage, über die das Parlament voraussichtlich in der Wintersession beraten wird. Das Problem müsse im Rahmen dieser Vorlage behandelt werden.
Bedauern bei Novartis
Beim Basler Chemiemulti Novartis bedauert man zwar den Entscheid. Doch eine Massnahme wie diese habe sich abgezeichnet, erklärte Arthur Eisele, Leiter Öffentlichkeitsarbeit bei Novartis Seeds gegenüber der SDA.
Es gelte jetzt, in Europa und in der Schweiz den Dialog mit der Bevölkerung über Gentechnik zu suchen und zu fördern. Man dürfe aber nicht das Kind mit dem Bad ausschütten, sagte Eisele weiter. Die nötige Begleitforschung dürfe durch den Zulassungstopp nicht behindert werden, fordert Eisele.
Sollten auch Feldversuche von dem Bewilligungsstopp in der EU betroffen sein, wäre das für Richard Braun, Präsident der Stiftung Gen Suisse, "besonders irritierend": Nur Experimente würden vernünftige Aussagen über die Auswirkungen von Gentechnik zulassen.
Grosse Risiken - geringer Nutzen
Für Verena Soldati, Geschäftsführerin des Basler Appells gegen Gentechnologie, gibt ein Moratorium jedoch Zeit, weitere Forschung zu betreiben. Wenn diese sorgfältig betrieben wird und die Ergebnisse seriös ausgewertet werden, "dann wird klar werden, dass die Risiken zu gross und die Vorteile zu gering sind", ist Soldati überzeugt.
Auch für den WWF Schweiz ist ein Entscheid, wie ihn die EU-Umweltminister gefällt haben, "überfällig". Ein Moratorium für den kommerziellen Anbau von Gentech-Pflanzen sei nötig, schreibt der WWF in einer Mitteilung.
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Letzte Änderung: 2004-09-17 09:35:59