Studie zur Gentechnologie in der Landwirtschaft
Gentech löst Anbauprobleme der Bauern nicht
Frick AG (sda) Der Verzicht auf die Freisetzung genmanipulierter Pflanzen könnte zu einer grossen Marktchance für die Schweizer Landwirtschaft werden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau (Fibl).
Von den bisher bekannten gentechnischen Methoden könnten in der Schweiz keine substanziellen und nachhaltigen Fortschritte erwartet werden, heisst es in der am Dienstag in Frick AG vorgestellten Studie "Zukunftsmodell Schweiz - eine Landwirtschaft ohne Gentechnik?".
Erarbeitet wurde der Forschungsbericht gemeinsam vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau, dem Ökoinstitut Freiburg im Breisgau (D) und dem Blauen-Institut in Münchenstein BL.
Langfristig unberechenbare Risiken
Laut der Leiterin des Projektes, Florianne Koechlin, stehen dem kurzfristigen Nutzen der Gentechnologie viele "unberechenbare und langfristige Risiken" gegenüber. Noch seien zwar zu wenige konkrete Daten vorhanden, doch gelte es nach dem "Vorsorgeprinzip" zu handeln.
Zementiert werde durch die Freisetzung gentechnisch manipulierter Pflanzen zudem eine auf Monokulturen basierende "High-Input-Landwirtschaft", die für viele Umweltprobleme mitverantwortlich sei.
Ausgangspunkt der Studie war die Frage nach einer "ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Landwirtschaft". Anhand der sechs wichtigsten Kulturen (Kartoffeln, Weizen, Mais, Raps, Salat und Reben) wurden die Möglichkeiten des biologischen und integrierten Landbaus mit gentechnischen Methoden verglichen.
Wichtige Anbauprobleme werden nicht gelöst
Von der Gentechnologie könnten keine dauerhaften Lösungen bei den wichtigsten Anbauproblemen erwartet werden, sagte Koechlin. So stehe beispielsweise bei der Herstellung transgener Pflanzen die Herbizidresistenz an oberster Stelle. In der Schweiz spiele aber die Unkrautproblematik nur gerade beim Mais eine grosse Rolle.
Für viele dringende Probleme der Schweizer Landwirtschaft stünden keine oder nur erste in der Praxis nicht erprobte Lösungsansätze bereit, betonte die Biologin. Dies gelte beispielsweise für verschiedene Mehltauerreger.
Biolandbau als wirtschaftliche Chance nutzen
Laut der Studie erfüllen der biologische und integrierte Anbau die Anforderungen an eine nachhaltige Landwirtschaft am besten. Im Gegensatz zur Gentechnologie sei es möglich, Anbauprobleme und Schadorganismen mit einem System verschiedener naturnaher Massnahmen zu bekämpfen.
Für die Autoren der Studie bietet die Bioforschung heute für die meisten Schlüsselprobleme des Landbaus Lösungen oder zumindest Lösungsansätze an. Als Beispiele genannt werden die Förderung von natürlichen Regulationsmechanismen und Nützlingen.
Als notwendig erachten die Autoren aber eine konsequente Förderung der Bioforschung. Darin stecke noch ein grosses Problemlösungspotential. Zudem sei dies auch eine grosse wirtschaftliche Chance für die Schweiz, meinte Koechlin.
Das vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) vorgeschlagene 10-jährige Moratorium biete die Chance, die Weichen für eine zukunftsorientierte, moderne und nachhaltige Landwirtschaft zu stellen.
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Letzte Änderung: 2004-09-17 09:35:59