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Forscher züchten langlebige Mäuse

London (sda/dpa) Italienische Forscher haben Mäuse gezüchtet, die ein Drittel länger leben als gewöhnlich. Bei den Tieren wurde ein Gen abgeschaltet, das wahrscheinlich beim Absterben von Zellen eine Rolle spielt.

Das berichten Pier Giuseppe Pelicci und Mitarbeiter vom Europäischen Institut für Onkologie (EIO) in Mailand im britischen Fachmagazin "Nature" vom Donnerstag. Die Blockierung des Gens p66shc durch spezifische Medikamente könnte die Zelle für längere Zeit am Leben erhalten.

War das Gen intakt, erreichten die Mäuse nur ihr normales Alter. Tiere mit abgeschaltetem Gen widerstanden eher oxidativen Stress, wie er durch UV-Strahlen oder bestimmte Chemikalien hervorgerufen wird.

Verfahren patentiert

Umberto Veronesi, der wissenschaftliche Leiter des EIO, verglich bei einer Pressekonferenz in Mailand die Tragweite der Studie mit der Entdeckung von Antibiotika. Das Verfahren sei bereits patentiert worden und es gebe Kontakte zu Pharmafirmen.

Auf ethische Aspekte angesprochen, erwiderte Veronesi, die Medizin sei per se auf die Verlängerung des Lebens ausgerichtet. Im Grunde genommen "wollen wir doch alle länger leben", was sich im Falle einer Kommerzialisierung des Verfahrens aber nur Leute mit dem entsprechenden Geld leisten könnten.

Die Forscher gehen davon aus, dass nicht nur das jetzt identifizierte Gen, sondern eine ganze Genfamilie den Alterungsprozess steuert. Wie das Gen genau arbeitet, ist noch nicht klar.

Reparatur von Zellschäden

Nach dem bisherigen Wissensstand ist es an der Reparatur von Zellschäden beteiligt, die durch aggressive Sauerstoffradikale verursacht werden. Es könnte sein, dass das Gen normalerweise die Reparatur unterdrückt und seine Veränderung könnte wiederum einen Reparatur-Mechanismus einschalten.

Sind die Schäden aber zu gross, so dass eine Reparatur nicht gelingt, dann bekommt die Zelle das Signal zum Selbstmord. Auch dieses Signal könnte ein angeschaltetes p66shc senden. Sterben zu viele Zellen in einem Organ ab, dann setzt irgend wann der Tod ein, weil das Organ seine Funktion nicht mehr erfüllen kann.

Fällt das p66shc-Gen aber aus, dann leben selbst geschädigte Zellen weiter und können zumindest teilweise noch arbeiten. Genau das, so vermuten die Wissenschafter, könnte der Grund für die Lebensverlängerung sein.

Fliegen und Würmer

Ähnliche Erkenntnisse seien schon von Fliegen und Würmern bekannt und jetzt zum ersten Mal beim Säugetier gefunden worden, sagte Veronesi. In der Welt gebe es gewaltige Forschungsanstrengungen auf der Suche nach den Altersgenen.

Wissenschafter in den USA untersuchen gerade das Erbgut von über Hundertjährigen, um die Altersgene zu finden. Die Forscher am EIO machten ihre Entdeckung dagegen völlig unerwartet. Das Gen sei im Rahmen von Krebsforschungen gefunden worden.

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