London (sda/afp) Grasfrosch-Männchen haben ein verblüffendes Paarungsverhalten: Hat ein anderes Männchen bereits die Taille des Weibchens umschlungen und die abgelaichten Eier besamt, hindert das andere Männchen nicht, den Laichballen ein zweites Mal zu besamen.
"Auf den ersten Blick widerspricht dies den gängigen Theorien der sexuellen Selektion", sagte der Konstanzer Biologe Axel Meyer am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Doch erweise sich bei näherem Hinsehen, dass dieses Verhalten letztlich einen "Selektionsvorteil" bringe.
Die Studie, für die die Feldforschung im spanischen Teil der Pyrenäen geführt wurde, wird in der jüngsten Ausgabe des Magazins "Nature" vorgestellt.
Das Paarungsverhalten des Grasfroschs (Rana temporaria) ist im Wesentlichen mit der klassischen Paarung von anderen Amphibien identisch: Das Männchen bespringt das Weibchen und besamt den Laich nach und nach, während er im Wasser abgelegt wird.
Die Forscher aus Konstanz und Vigo in Spanien stellten jedoch fest, dass in 84 Prozent der Fälle eine Zweitbesamung erfolgte. Die Männchen, die zunächst nicht zum Zuge gekommen waren, umfassten dabei den Laich ebenso als wenn es sich um ein Weibchen handelte.
Bisweilen verfolgten Männchen sogar ein paarungswilliges Paar, um möglichst schnell jenem Verhalten nachgehen zu können, welches Meyer als "Eier-Piraterie" bezeichnet.
Die Grasfrosch-Weibchen legen im Schnitt 400 Eier, nicht alle werden bei der Erstbesamung befruchtet. Beim Eier-Zählen konnte Meyers Mitarbeiter David Vieites in dreijähriger Feldforschung ermitteln, dass 24 Prozent der Embryonen durch die "Eier-Piraterie" befruchtet wurden.
Meyer verwies darauf, dass die Welt der Frösche voller Überraschungen ist - Baumfrösche beispielsweise sind für ein Verhalten bekannt, das an Gruppensex erinnert.
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Letzte Änderung: 2004-10-01 15:13:37