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Das Huhn als erster Vogel genetisch entschlüsselt

London/Neuherberg (sda/afp/dpa) Das Huhn ist als erster Vogel genetisch entschlüsselt. Einem internationalen Team von insgesamt 170 Wissenschaftlern gelang es, die bis zu 23 000 Gene des Huhnes (wissenschaftlich: Gallus gallus) zu dekodieren.

An dem Projekt von weltweit 49 Instituten, dem sogenannten International Chicken Genome Sequencing Consortium, beteiligten sich auch die Wissenschaftler Alexandre Reymond, Stylianos Antonarakis und Henrik Kaessmann der Universitäten Lausanne und Genf, wie das britische Wissenschaftsmagazin "Nature" in seiner jüngsten Ausgabe berichtet.

Erkenntnisse über Menschen

Sie zeigten sich zuversichtlich, dass mit der Entschlüsselung des Hühner-Genoms "ein besseres Verständnis des schon bekannten menschlichen Genoms" ermöglicht wird.

Menschen und Vögel hatten vor rund 310 Millionen Jahren gemeinsame Vorfahren. Auf der evolutionären Leiter liegt das Huhn in der Mitte zwischen dem Fisch und dem Menschen und könnte somit neue Erkenntnisse über die Entwicklung von Wirbeltieren liefern.

Mit rund einer Milliarde Basenpaaren ist das Genom des Huhns zwar um zwei Drittel kleiner als das des Menschen. Es enthält aber dennoch 20 000 bis 23 000 Gene und damit etwa so viele wie der Mensch nach jüngsten Schätzungen.

Die evolutionäre Nähe wollen Humangenetiker und Mediziner jetzt nutzen, um die Funktion tausender bisher noch rätselhafter Gene des Menschen zu erforschen. "Wir haben das Huhn entschlüsselt, um das menschliche Genom zu verstehen", sagte der britische Forscher Ewan Birney vom Institut European Bioinformatics in Cambridge.

Von der Stammform des Haushuhns

Die genetische Blaupause stammt von der Stammform des heutigen Haushuhns und wurde an der Washington University School of Medicine in St. Louis (Missouri) sequenziert. David Burt vom Roslin-Institut in Edinburgh, aus dem das Klonschaf Dolly hervorging, nennt das Huhn-Genom einen "grösseren Meilenstein", weil mit ihm erstmals der Schlüssel zu einem landwirtschaftlich bedeutenden Tier vorliegt.

Er könnte helfen, produktivere Legehühner mit besseren Abwehrkräften zu züchten und in Zukunft auf Antibiotika und andere Mittel verzichten, die aus dem Hühnerstall heute noch nicht wegzudenken sind.

Mediziner gehen bei Hühnern inzwischen auch den Ursachen genetisch bedingter Krankheiten des Menschen nach. Weil es identische Symptome entwickelt wie der Mensch, dient das Huhn heute schon als Modell für Muskel-Dystrophie, Epilepsie und Immunschwäche, heisst es in "Nature".

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