London (sda/dpa) Nervenzellen, die aus embryonalen Stammzellen vom Menschen gezüchtet wurden, haben gelähmte Ratten wieder zum Laufen gebracht. Das britische Fachmagazin "New Scientist" berichtete über dieses Ergebnis.
Hans Keirstad von der Universität von Kalifornien in Irvine und sein Team liessen aus den menschlichen Stammzellen zunächst bestimmte Nervenzellen wachsen, so genannte Oligodendrozyten. Diese bilden die Myelin-Schutzschicht, die für die Weitergabe von Nervenimpulsen wichtig ist.
Neun Wochen nachdem Keirstad diese Nervenzellen Ratten mit verletztem Rückgrat eingepflanzt hatte, konnten die Tiere wieder problemlos laufen. Eine nicht behandelte Vergleichsgruppe von Tieren hingegen blieb gelähmt.
Anschliessenden Analysen zufolge wickelten die Oligodendrozyten sich um die beschädigten Nervenzellen herum und formten neue Myelin-Hüllen. Ausserdem regten Wachstumsfaktoren die Bildung neuer Nervenzellen an, berichten die Forscher.
Bald erste Versuch am Menschen
Nur eine Woche zuvor hatte auch Douglas Kerr von der Johns Hopkins Universität in Baltimore von vergleichbaren Ergebnissen berichtet, die im "Journal of Neuroscience" veröffentlicht werden. Kerr hatte Ratten mit verletztem Rückgrat unveränderte embryonale Stammzellen transplantiert. Hier waren die Tiere nach 24 Wochen wieder in der Lage aufzustehen.
"Noch undifferenzierte menschliche Stammzellen haben jedoch ein sehr hohes Risiko, Tumore zu bilden", erläuterte Keirstad seine Entscheidung, erst die aus den embryonalen Stammzellen entwickelten Nervenzellen zu transplantieren. Mit ersten Versuchen am Menschen will er in etwa zwei Jahren beginnen.
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Letzte Änderung: 2004-09-17 09:35:59