London (sda/dpa) Embryonen mit einem erhöhten Krebsrisiko dürfen in Grossbritannien bei der künstlichen Befruchtung aussortiert werden. Die Behörde für menschliche Fruchtbarkeit und Embryologie bestätigte am Montag, sie habe dieses Verfahren genehmigt.
Wissenschafter vom University College London können damit Embryonen aussortieren, die Träger eines Gens sind, dass eine aggressive Form von Darmkrebs begünstigt. Stattdessen soll der Mutter ein Embryo eingepflanzt werden, der dieses Risiko-Gen nicht geerbt hat.
Eine der Patientinnen äusserte sich in der Zeitung "Times" "überglücklich" darüber, dass sie nicht mehr befürchten müsse, das erhöhte Krebsrisiko auf ihr Kind zu übertragen. Der Mediziner Paul Serhal, der die Embryonen überprüfen wird, sagte: "Hiermit wird es uns gelingen, ein fehlerhaftes Gen völlig auszuradieren."
Kritiker des Verfahrens hielten dagegen, hier würden vorselektierte "Designer-Babys" geschaffen. Es sei keineswegs sicher, dass die Träger des Gens tatsächlich an Darmkrebs erkrankten. Zudem könnten frühzeitige chirurgische Eingriffe verhindern, dass die Krankheit ein gefährliches Stadium erreiche.
Die britische Behörde hatte in diesem Jahr bereits die Vorauswahl von Embryonen nach bestimmten "wünschenswerten Merkmalen" erlaubt, wenn damit Geschwisterkinder gerettet werden können. Hintergrund war der Fall eines zweijährigen Jungen, der an einer seltenen Blutkrankheit leidet.
Eine Stammzellspende soll bewirken, dass sein Körper wieder genug rote Blutkörperchen produziert. Stammzellen mit passendem Erbgut sollen dazu einem gezielt per künstlicher Befruchtung geschaffenen Geschwisterkind entnommen werden.
In der Schweiz ist jede genetische Voruntersuchung von Embryonen vor dem Einsetzen in die Gebärmutter, die Präimplantationsdiagnostik, verboten.
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Letzte Änderung: 2004-11-30 00:00:00