Fast 20 Prozent der neuen Wirkstoffe in den Pipelines der forschenden Arzneimittelhersteller sind jetzt gentechnisch hergestellt
"Innerhalb eines Jahres ist die Zahl gentechnisch hergestellter Arzneimittel in Deutschland um 25 Prozent gestiegen: Heute, im Herbst 1999, haben 60 Arzneimittel mit insgesamt 46 verschiedenen gentechnisch hergestellten Wirkstoffen in Deutschland die Zulassung. Zwei davon gehören zu den zehn umsatzstärksten Medikamenten weltweit", erklärte Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) heute in Bonn. "Nutzen und Qualität für den Patienten sind mittlerweile unbestritten: So helfen gentechnisch hergestellte Arzneimittel z. B. Krebskranken, Diabetikern und retten Patienten mit Herzinfarkt das Leben. Sie verringern nach einer Nierentransplantation das Risiko einer Abstoßung des Spenderorgans und schützen als Impfstoffe z. B. Kleinkinder vor schweren Durchfallerkrankungen."
Insgesamt mindestens 222 neue Wirkstoffe (New Chemical Entities oder NCEs) befinden sich zur Zeit weltweit bei den Mitgliedsunternehmen des VFA in der letzten Phase der klinischen Prüfung, stehen kurz vor der Zulassung oder der Markteinführung. 43 der neuen Wirkstoffe, fast 20 Prozent, sind gentechnisch hergestellt. 1998 waren es erst 12 Prozent der kurz vor der Zulassung oder Markteinführung stehenden neuen Arzneimittel.
Die meisten der neuen Wirkstoffe sollen in der Therapie gegen Krebs eingesetzt werden. Zahlreiche andere werden voraussichtlich Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall helfen, oder zur Behandlung von Patienten mit Asthma sowie Infektionen eingesetzt werden.
"Die Gentechnik hat mittlerweile ihre Rolle als Schlüsseltechnologie für die forschenden Arzneimittelhersteller bewiesen", so Yzer, "und in wenigen Jahren wird kein Medikament mehr auf den Markt kommen, an dem die Gentechnik nicht in irgendeiner Weise beteiligt gewesen sein wird."
Inzwischen steht schon die zweite Generation gentechnisch hergestellter
Arzneimittel den Patienten zur Verfügung: Wurden am Anfang vor allem
körpereigene Wirkstoffe mit Hilfe der Gentechnik hergestellt, werden diese jetzt
für bestimmte Therapiesituationen "optimiert". Diabetikern steht z. B. ein
Insulin zur Verfügung, bei dem zwei Bausteine im Molekül ausgetauscht sind und
das dadurch schneller wirkt. Die erforderliche Wartezeit zwischen Spritzen und
Essen wird dadurch verkürzt - ein erheblicher Gewinn an Lebensqualität im
Alltag.
Andere Wirkstoffe werden von Grund auf gezielt nach den therapeutischen
Anforderungen konstruiert. So helfen sogenannte humanisierte monoklonale
Antikörper u.a. bei fortgeschrittenem Brustkrebs und verhindern die Abstoßung
von transplantierten Organen. Die Antikörper binden an bestimmte Moleküle im
Körper des Patienten und greifen dadurch gezielt ins Krankheitsgeschehen ein.
Darüber hinaus wurden sie "humanisiert": Teile des Moleküls sind so konstruiert,
daß das Immunsystem des Patienten glaubt, es wäre ein körpereigener Antikörper,
mit der Folge, daß es diesen monoklonalen Antikörper nicht angreift.
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Letzte Änderung: 2004-09-17 09:35:59