Stellungnahmen (Archiv)
Baumwolle und Herbizidspritzung
Aussage: "Auf fast einer Million Hektare wurde 1996 die gentechnisch veränderte Baumwollsorte Bollgard erstmals angebaut. Nach Ankündigung der Herstellerfirma Monsanto sollte sie gegen den cotton bollworm resistent sein. Doch bereits im ersten Sommer wurden mehrere tausend Hektaren mit eben diesem Schädling befallen. (...) Die Bauern gingen wieder dazu über, die angeblich resistente Pflanze mit Insektiziden einzunebeln."
Gen-Schutz-Zeitung Nr. 7, Januar 1997
Stellungnahme: "Die Behauptung, die Baumwollsorte Bollgrad (mit gentechnisch eingebautem Bt-Gen) habe nicht gehalten, was sie versprochen habe, und die Bauern hätten wieder zur Giftspritze greifen müssen, entspricht nicht den Tatsachen. Die Fakten sprechen für sich:
Ablauf der Ereignisse
- 1996 wurde die Baumwollsorte Bollgard auf 7'300 km2 (1,8 Millionen acres) - das entspricht annähernd 13% der gesamten Baumwoll-Anbaufläche in den USA - von mehr als 5'700 Baumwollfarmern angepflanzt.
- Bereits Mitte Juli 1996 machte die Herstellerfirma Monsanto alle Käufer und Verkäufer der Baumwollsorte Bollgard darauf aufmerksam, dass in diesem Jahr eine ungewöhnlich hohe Zahl an Eigelegen des Schädlings bollworm festgestellt wurde, und dass somit ein sehr hoher Befall zu erwarten sei. In der Pressemitteilung wurde zudem festgehalten, dass unter ungünstigen Umständen auf zusätzliche Spritzungen mit einem Insektizid nicht vollständig verzichtet werden könne.
- 60% der 5'700 Baumwollfarmer konnten trotz dieses hohen Befalls vollständig auf den Einsatz von Pestiziden gegen die Schädlinge tobacco budworm, bollworm und pink bollworm verzichten.
- Die übrigen 40% mussten ihre Felder aufgrund des ungewöhnlich starken Befalls mit dem bollworm einmal spritzen.
- Im Vergleich dazu mussten herkömmliche Baumwollfelder ohne die Bt-Resistenz mindestens vier- oder fünf-, manchmal sogar sechsmal mit Insektiziden bespritzt werden.
Ökologischer Vergleich: Massive Einsparung von Insektiziden
- Mit dem Anbau der Baumwollsorte Bollgard auf einer Fläche von 7'300 km2 konnte im Vergleich zu herkömmlicher Baumwolle 1 Million Liter (1/4 million gallons) Insektizide eingespart werden.
Ökonomischer Vergleich: 7%iger Mehrertrag
- Die Baumwollfarmer berichteten von einem durchschnittlich 7%igen Mehrertrag beim Einsatz der Baumwollsorte Bollgard im Vergleich zur besten herkömmlichen, in der Umgebung erhältlichen Baumwollsorte.
Befragung der Baumwollfarmer positiv
- Nach der Ernte 1996 war die grosse Mehrheit der befragten Baumwollfarmer mit dem Resultat entweder "sehr zufrieden" oder "zufrieden". Nur 2% beabsichtigten, im kommenden Jahr wieder herkömmliche Baumwollsorten anzubauen.
Keine Bt-resistenten Schädlinge beobachtet
- Im Sommer 1996 wurde der höchste je beobachtete Befallsdruck mit dem bollworm verzeichnet. Dieser war sogar grösser als der in den Feldversuchen künstlich geschaffene, maximale Befallsdruck.
- Gegen das Bt-Eiweiss resistente Schädlinge wurden keine registriert, wie die von unabhängigen Ökologie-Forschungsinstituten durchgeführten Tests mit über 200 Proben belegten.
- In den Pollen der Baumwollsorte Bollgard wird das Bt-Eiweiss nur in sehr geringen Mengen produziert. Sie reicht nicht aus, um die bollworm Larve zu töten. Dies ist eine mögliche Erklärung, warum ein Teil der Schädlinge überlebt: Frisst eine Larve in einem frühen Stadium ihrer Entwicklung nur von den Pollen, besteht die Chance, dass sie zu einer Grösse heranwächst, bei der ihr auch grosse Bt-Mengen, wie sie in den übrigen Pflanzenteilen vorkommen, nichts mehr anhaben können.
- Es muss aber trotzdem davon ausgegangen werden, dass sich die Schädlinge innert 5-10 Jahren genetisch so anpassen, dass sie gegen das Bt-Eiweiss der Baumwollsorte Bollgard resistent sind. Entsprechende Experimente zeigen nämlich, dass gewisse Schädlinge innerhalb von 15 bis 20 Generationen eine Bt-Resistenz entwickeln können.
Altes und neues Resistenzmanagement
- Zukünftig wird der Entstehung resistenter Schädlingspopulationen mit der Etablierung von Refugial-Populationen begegnet werden. Weiter ist der Einbau von Mehrfach-Resistenzen geplant. Entwicklungsarbeiten dazu sind im Gange.
- Damit wendet die Gentechnologie die gleiche Strategie an wie jene Bauern, die seit Jahrzehnten ein aus mehreren, verschiedenen Bt-Eiweissen zusammengesetztes, biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzen.
- Der Vorwurf, der gentechnische Einbau eines Bt-Gens in eine Pflanze mache die jahrzehntelange, erfolgreiche Anwendung des biologischen Schädlingsbekämpfungsmittels unwirksam, trifft also nicht zu. Denn die Sprühmischung enthält ja mehrere, verschiedene Bt-Eiweisse. Dies ist mit ein Grund, weshalb während der langen Anwendungszeit der Sprühmischung von 35 Jahren nur sporadisch resistente Schädlinge aufgetreten sind.
- Die Entwicklung resistenter Schädlinge ist ein seit langem und gut bekanntes Phänomen. Sie ist unabhängig davon, ob der Resistenzmechanismus durch traditionelle Züchtung oder mittels gentechnischer Methoden in eine Pflanze eingebracht wurde. Immerhin wissen die Züchter entsprechende Gegenmassnahmen zukünftig präziser zu planen.
Wie die Gentechnologie mithelfen könnte, Monokulturen zu überwinden
- Das Problem im Hintergrund ist und bleibt die Monokultur. Eine nachhaltigere Schädlingsresistenz wird erst dann erreicht werden können, wenn z.B. der Integrierte Landbau mit gezielten Fruchtwechseln, mit einer sinnvollen biologischen Schädlingsbekämpfung und mit Mischkulturen verstärkt eingeführt wird. Dieser verbesserte Landbau sollte mit der Gentechnologie kombiniert werden. Die Gentechnik könnte mit der Züchtung schädlings- und krankheitsresistenter Pflanzen zu einer massiven Einsparung von Pestiziden und damit zur Erhaltung der so wichtigen pflanzlichen und tierischen Nützlinge beitragen."
Dr. Klaus Ammann, Direktor des Botanischen Gartens, Universität Bern, Juni 1997
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Letzte Änderung: 2004-09-21 16:09:16