Die Killerbiene
Aussage: "Genmanipulierte Killerbienen. Ja zur Gen-Schutz-Initiative."
Stellungnahme: "Bei der sogenannten afrikanisierten Honigbiene handelt es sich nicht um eine gentechnisch veränderte Biene, sondern um eine konventionelle Kreuzung zwischen europäischen und afrikanischen Honigbienen im Jahre 1957 in Amerika. Eines der ersten Haustiere, das europäische Siedler nach Amerika brachten, war die europäische Honigbiene Apis mellifera. Sie gedieh besonders in Nordamerika so gut, dass ihre verwilderte Form bald zur Plage wurde; sie kolonisierte den Kontinent, von Osten nach Westen fortschreitend. An das feuchte und heisse Klima in den Tropen konnten sich aber selbst lokal gezüchtete Rassen nicht anpassen. Sie produzieren relativ wenig Honig und leiden an diversen Krankheiten. Um eine besser an das Klima angepasste und mehr Honig produzierende Rasse zu züchten, wollten südamerikanische Bienenzüchter die europäische Honigbiene mit der an heisse Klimata gewöhnten afrikanischen Honigbiene Apis mellifera scutellata kreuzen. Zu diesem Zweck wurden 46 Königinnen aus Pretoria (Südafrika) und eine Königin aus Tabora (Tansania) 1956 nach Rio Claro in Brasilien gebracht, von wo 1957 insgesamt 26 Schwärme mit afrikanischen Königinnen aus den Bienenhäusern entwichen und in den nächsten dreissig Jahren praktisch alle europäischen Bienenvölker in Süd- und Mittelamerika "afrikanisierten": Aus der Kreuzung entstand die sogenannte afrikanisierte Honigbiene.
Aus der in Lateinamerika afrikanisierten Honigbiene wurde aufgrund von Sensationsberichten in der Regenbogenpresse bald die sogenannte "Killer-" oder "Mörderbiene". Ihr Stich enthält 30% weniger Gift als der einer europäischen Honigbiene. Allerdings ist die afrikanisierte Honigbiene viel aggressiver und sticht bei der geringsten Provokation. Sie sticht dreimal schneller, verabreicht zehnmal mehr Stiche und verfolgt ihre Opfer über viel grössere Distanzen als ihre europäische Schwester. In Lateinamerika kam es zu tragischen Unfällen: Tiere und Menschen wurden richtiggehend zu Tode gestochen. Die Menschen waren nicht über das andersartige Verhalten dieser Biene informiert. Die Aggressivität der afrikanisierten Honigbiene kann durch bestimmte Massnahmen stark herabgesetzt werden (Imker tragen völlig weisse Schutzkleidung, die Bienenhäuser werden stark ausgeräuchert und durch Bäume oder Sträucher voneinander abgeschirmt, die Distanz zwischen den Bienenhäusern beträgt mindestens zwei Meter). Die Imker lernten nicht nur mit der afrikanisierten Honigbiene umzugehen, sie lernten sie auch schätzen: Denn sie ist eine hervorragende Bestäuberin und Honigproduzentin. In Brasilien durchgeführte Vergleiche ergaben innert dreier Monate folgende Resultate: afrikanisierte Biene 42 kg Honig, italienische Biene 24 kg Honig, deutsche Biene 12 kg Honig. Diese spektakulären Ergebnisse sind auf den beachtlichen Fleiss der afrikanisierten Honigbiene zurückzuführen. Sie fliegt morgens sehr früh aus und arbeitet bis abends spät, selbst in der Kälte und bei Nebel. Sogar bei Mondlicht sammelt sie Nektar. Sie kommuniziert auf sehr effiziente Weise, so dass reiche Nektarquellen mit grösster Effizienz genutzt werden. Zudem ist sie resistent gegen Krankheitserreger wie die parasitäre Milbe Varroa jacobsoni. Sie erkrankt auch nicht an der bakteriell bedingten Faulbrut. Die afrikanisierte Honigbiene kann als Wanderbiene zur Bestäubung von Kulturen eingesetzt werden, ohne dass die normale landwirtschaftliche Arbeit unterbrochen werden müsste. Zudem kann heute Honig selbst im Nordwesten Brasiliens produziert werden, wo europäische Bienen bisher nur marginal überlebten. Infolgedessen hat die Honigproduktion stark zugenommen. Die Bezeichnung "abelhas assassinas" gerät in Vergessenheit."
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Letzte Änderung: 2004-09-21 16:10:25