Stellungnahmen (Archiv)

Mais und Bienen

Aussage: "(...) Dass Bienen giftigen Maispollen [des Bt-Mais] erkennen können, ist nicht anzunehmen. Giftige Maispollen sind ein Novum in unserem Ökosystem (...) Mittlerweile ist zwar bekannt geworden, dass genmanipulierte Bt-Pflanzen Nützlinge schädigen (...) Es besteht zumindest ein schwerwiegender Verdacht, dass Bt-Mais bei Bienen Brutschäden bewirken kann. Novartis soll ihre interne Bienen-Studie sofort zugänglich machen! (...)"

Für Uns 12/98

Stellungnahme: "Zurzeit kursieren diverse Gerüchte über negative Auswirkungen des Bt-Mais auf Honigbienen. So soll durch transgenene Maispollen das Verhalten der Bienen gestört werden, die Entwicklung der Larven negativ beeinträchtigt und die Lebenserwartung der Bienen herabgesetzt werden.
Das einzig wahre jedoch an obiger Behauptung ist, dass Novartis tatsächlich eine Studie durchgeführt hat, bei welcher potentielle Effekte des Bt-Mais auf Honigbienen untersucht wurden. Diese umfassende Studie wurde mit mehreren Bienenstöcken durchgeführt, wo die gesamte Entwicklung der Bienen beobachtet werden konnte. Sie ist 1995 an einem Kongress in Deutschland öffentlich vorgestellt worden und eine Zusammenfassung derselben ist in den Mitteilungen aus der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Berlin-Dahlem, Deutschland (Heft 309, 1995) publiziert.
Die besagte Studie wurde von der California Agricultural Resaerch Inc. in mehreren Bienenstöcken durchgeführt. Da sich Bienenlarven von kleinen Mengen Pollen ernähren und gewisse Insekten (Lepidopteren) im Larvenstadium am empfindlichsten auf das Bt-Eiweiss reagieren, wurde insbesondere dieses Lebensstadium der Bienen kontrolliert.

Aufbau des Experiments:
Je 100 der vier Tage alten Bienenlarven wurden in vier Gruppen unterteilt verschiedenen Nahrungsquellen ausgesetzt:

  1. Bt-Mais-Pollen
  2. Maispollen einer herkömmlichen Maissorte
  3. keine Pollenfütterung (Negativ-Kontrolle)
  4. Maispollen der herkömmlichen Maissorte, die mit dem Insektengift Carbaryl behandelt wurden (Positiv-Kontrolle).

Untersucht wurden anschliessend die folgenden Aspekte:

In untenstehender Tabelle sind die Resultate schematisch zusammengefasst:

Behandlung Anzahl Tage nach Behandlung
2 (Larven) 9 (Larven) 18 (Bienen)
Überlebensfähigkeit in %
Bt-Mais-Pollen 95 95 95
herkömmliche Mais-Pollen 75 73 65
Carbaryl (Insektengift) 11 5 4
unbehandelt 100 99 96

Bezüglich Überlebensfähigkeit der Larven und Entwicklung vollständig ausgebildeter Honigbienen konnte in der Gruppe der mit Bt-Mais gefütterten und den unbehandelten Larven statistisch gesehen keine Unterschiede festgestellt werden (95% bzw. 96% Überlebensfähigkeit). Statistisch signifikant tiefer (65%) lag die Rate in der Larven-Gruppe, deren Fressen aus herkömmlichem Mais bestand. Mögliche Gründe dieser erhöhten Sterblichkeit sind vermutlich auf die unterschiedliche Dynamik oder genetische Verschiedenartigkeit der Bienenstöcke zurückzuführen. Nur 4% der Bienenlarven überlebten hingegen die Insektizid-versetzte Nahrung. In Bezug auf die Entwicklungszeit der Bienen oder ihrem Verhalten konnten keine unterschiedlichen Effekte in den vier Gruppen beobachtet werden.

Fazit:
Zusammenfassend konnten in dieser wissenschaftlichen "im Bienenstock"-Studie, die Novartis bereits vor 1995 durchführen liess, keine negativen Auswirkungen bzgl. Entwicklung der Larven, Überlebensfähigkeit und Verhalten von Honigbienen durch den Verzehr von Pollen aus gentechnisch verändertem Bt-Mais festgestellt werden.

Die Unschädlichkeit des Bt-Eiweisses für Bienen wurde durch weitere Tests der Firma Monsanto mit einer anderen Sorte gentechnisch veränderten, maiszünslerresistenten Bt-Maissorte bestätigt. In diesen Versuchen wurden sowohl allfällige Effekte auf Bienenraupen wie "erwachsene" Honigbienen untersucht."

Kurt Bodenmüller, lic. phil. nat. Mikrobiologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter InterNutrition, März 1998
Quelle: Dr. J. Landsmann und Prof. Dr. R. Caspar, Key Biosafety Aspects of Genetically Modified Organisms; Mitteilung aus der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Berlin-Dahlem, Heft 309, Berlin 1995, Workshop 10./11. April 1995 in Braunschweig Deutschland
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