Stellungnahmen (Archiv)

Maus mit Ohr auf dem Rücken

Stellungnahme: "Unter dem Motto "bleiben wir sachlich" warb eine Tageszeitung unlängst mit einer Plakat- und Inseratkampagne in eigener Sache. Eines der Sujets zeigte eine unbehaarte Maus mit einem menschlichen Ohr auf dem Rücken. Der Kommentar zum Bild suggerierte, dass es sich bei der Maus um ein gentechnisch verändertes, sogenanntes transgenes Tier handle. Bei der Verwendung dieses Sujets in Kombination mit dem besagten Text, kann es sich nur um eine bewusste Irreführung der Bevölkerung oder um das Resultat schlecht informierter Werbestrategen handeln. Beides ist unverantwortlich für jemanden, der Sachlichkeit für sich in Anspruch nimmt. Auch ich bin an Sachlichkeit interessiert, weshalb Fakten aufgezeigt werden sollten: Bei der am Institut für Technologie und der Universität von Massachusetts angewandten Technik handelt es sich nicht um Gentechnik, sondern um eine neue Gewebetechnik (tissue engineering). Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter formten ein menschliches Ohr aus abbaubarem Bioplastik und verpflanzten es auf den Mausrücken. Dort wurde das Ohrgerüst von Hautzellen der Maus überwachsen, der Bioplastik abgebaut, und zurück blieb ein menschlich geformtes Ohr. Fernziel dieser Forschung ist, zukünftig auch Menschen zu helfen - z.B. mit Haut für Brandopfer, mit Nase oder Ohren für Unfallopfer und mit inneren Organen (z.B. Leber oder Blutgefässe) für andere Patientinnen und Patienten."

Prof. Dr. Beda Stadler, Institut für Immunologie und Allergologie, Inselspital Bern, Januar 1997
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