Raps und Bienen
Aussage: "Ein Rapsfeld in der Nähe von Aesch. Eine Freude fürs Auge, ein Nektarschmaus für die Bienen. (...) Doch Nektar von transgenem Raps bekommt den Bienen gar nicht gut. Das zeigen Untersuchungen am staatlichen französischen Landwirtschafts-Forschungsinstitut. Die Bienen bekamen dort eine Zuckerlösung mit Gentech-Raps zu fressen. Fatale Konsequenz: Ihre Lebenszeit sank um ein Viertel. Ausserdem schienen sie verwirrt und konnten die Geruchssignale einzelner Pflanzen nicht mehr unterscheiden."
Stellungnahme: "Die Ergebnisse der im französischen Laboratoire de Neurobiologie Comparée des Invertébrés durchgeführten Studien zu den Auswirkungen gentechnisch veränderter Rapspflanzen auf Honigbienen wurden in der Sendung MTW des Schweizer Fernsehen falsch wiedergegeben. Nach Kontaktaufnahme von Prof. Ernst Hafen, Zoologisches Institut der Universität Zürich, mit einer an den Studien beteiligten Forscherin (Anne-Lorraine Picard-Nizou, Erstautorin der beiden unten genannten Studien der Gruppe von Pham-Delègue) und Durchsicht der Literatur ergibt sich ein ganz anderes Bild: Der im gentechnisch veränderten Raps vorhandene Proteinase-Inhibitor (Verdauungshemmer) zur Abwehr von Schädlingen ist weder in den Pollen noch im Nektar nachweisbar. In den Blättern sowie im Stengel der Rapspflanze, also dort wo der Schädling zubeisst, wird das Eiweiss in relativ grossen Mengen produziert. Schädlinge, die von diesen grünen Pflanzenteilen fressen, haben eine gestörte Verdauung und sterben. Bienen hingegen fressen keine Blätter oder Stengel, sondern trinken Nektar. In einem zweiten Experiment fütterten die französischen ForscherInnen Bienen mit einer Zuckerlösung. Diese enthielt nicht gentechnisch veränderten Raps, wie in der Sendung MTW falsch berichtet, sondern ein reines Eiweiss aus einer Bohnenpflanze, das dem Schädlingseiweiss im gentechnisch veränderten Raps sehr ähnlich ist. Ziel dieses Experimentes war, herauszufinden, in welcher Konzentration das Schädlingseiweiss das Leben der Bienen beeinträchtigt. Fazit: Erst bei Konzentrationen, die zehn- bis hundertmal höher liegen, als sie in den Blättern und im Stengel der gentechnisch veränderten Rapspflanzen vorkommen, zeigten die Bienen Orientierungslosigkeit und eine kürzere Lebensdauer. Die Studien haben nicht gezeigt, dass gentechnisch veränderter Raps Bienen schädigt. Gemäss Sonntags Zeitung vom 10. Mai 1998 "mochte der Autor des Beitrags, der Basler Journalist Stephan Dietrich, keine Stellung nehmen. MTW-Chef Beat Glogger findet Ernst Hafens Anschuldigungen völlig fehl am Platz. Konkreter wollte er aber nicht werden." Die erwähnten Studien sind Teil eines im Oktober 1994 begonnenen, fünfjährigen Forschungsprojektes zur Untersuchung der Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen auf bestäubende Insekten."
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Letzte Änderung: 2004-09-21 16:09:16