Stellungnahmen (Archiv)

Raps und Superunkräuter

Aussage: Dänische Forscher wiesen nach, dass Rapsgene auf Wildpflanzen überspringen können. Wenn Herbizidtoleranzgene von Kulturpflanzen auf wilde Unkräuter übertragen werden, so kann ein "Superunkraut" entstehen. Das zeigt, wie gefährlich trangene Pflanzen für die Umwelt sind.

Stellungnahme: Dem angesprochenen Gentransfer liegt folgendes wissenschaftliche Experiment zugrunde: Dänische WissenschafterInnen fügten ein Gen in Ölrapspflanzen ein (Brassica napus). Pollen dieser transgenen Ölrapspflanzen bestäubten die natürliche Kulturform des Rapses (Brasica campestris). Aus den Bastarden zogen die ForscherInnen fruchtbare Nachkommen auf und kreuzten diese mit der Wildform. Das in den Ölraps eingeführte Gen - ein Resistenzgen gegen das Herbizid Basta - wurde so innert zwei Generationen auf eine nahe verwandte Wildform übertragen. Ferner haben schottische WissenschafterInnen beobachtet, dass Rapspollen vom Wind über grössere Distanzen verfrachtet werden, als bisher angenommen. Beide Teams empfehlen, diese Beobachtungen bei der Sicherheitsbeurteilung herbizidtoleranter Rapspflanzen zu berücksichtigen. Sie betonen aber auch, dass es sich bei der verwandten Wildpflanze um eine Pflanze handelt, die nur innerhalb des landwirtschaftlich gepflegten Rapsanbaus wächst. Was bedeutet, dass sich das neu eingefügte Gen nicht aus dem land-wirtschaftlichen in das natürliche Ökosystem ausbreiten würde. Würde man also herbizidtoleranten Raps auf dem Acker anpflanzen, wäre das denkbar schlimmste Szenario jenes, dass die Wildpflanze nach Aufnahme des Herbizidtoleranzgens gegen dieses eine Herbizid tolerant wäre. Das heisst, man würde dieses Herbizid im Rapsanbau nicht mehr wirksam zur Unkrautbekämpfung einsetzen können. Das wiederum hätte zur Folge, dass das neue herbizidtolerante Ackerunkraut seinen Konkurrenzvorteil nicht mehr ausspielen könnte.

Quellen: Mikkelsen et al., Nature 380, 31, 7. März 1996; Timmons et al., Nature 380, 487, 11. April 1996
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