Unter weisser
Biotechnologie versteht man industrielle Produktionsverfahren, die natürliche oder gentechnisch optimierte Enzyme,
Zellen oder
Mikroorganismen einsetzen. Die biotechnologischen Verfahren bieten wirtschaftlich und ökologisch interessante Alternativen zu chemischen Prozessen. Die Zahl der auf solche Produkte spezialisierten Firmen nimmt ständig zu. Besuch in einem Biotech-Unternehmen.
Beim
Fermenter hinten links blinkt es. Dirk Bächler schaut auf den Monitor und kontrolliert die Einstellungen der Produktionsanlage. Die Bakterien im Tank, die ein Lipase-Enzym herstellen, reagieren sehr sensibel auf Wechsel in ihrer Umwelt wie Temperaturoder Nährstoffschwankungen. Das computergesteuerte Programm schlägt Anpassungen vor, die Dr. Bächler bestätigt. Während er darauf wartet, dass sich die Signale auf dem Bildschirm angleichen, widmet er sich wieder den Unterlagen aus der gestrigen Sitzung: «Die Biotechnologie verspricht, einen bedeutenden Beitrag zur Lösung grundlegender Umweltprobleme zu leisten, indem sie beispielsweise (...) eine verbesserte Trinkwasserversorgung, effizientere Industrieprozesse für die Rohstoffumwandlung, Unterstützung für nachhaltige Aufforstungs- und Wiederaufforstungsverfahren und die Entgiftung gefährlicher Abfälle ermöglicht.» Herr Bächler ist verblüfft, als er liest, woher das Zitat stammt: Dieser Satz wurde an der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro festgehalten. Er steht in Kapitel 16 der «Agenda 21», des umweltpolitischen Aktionsprogramms. Für Dirk Bächler ist klar, dass die
weisse Gentechnik einen grossen Beitrag zum Umweltschutz leistet. Aber er merkt immer wieder, wie schwierig es ist, dies seiner Familie und seinen Freunden zu erklären. Industrielle Verfahren bringen viele Leute automatisch mit Umweltverschmutzung in Verbindung. Dank den Enzymen, die seine Firma herstellt, sind Verfahren möglich, die im Vergleich zu den herkömmlichen chemisch-synthetischen Techniken massiv Energie, Abfall und Abwasser einsparen.