Basenpaar
Aufgrund ihrer chemischen Struktur paaren sich die Basen A und T (bzw. U) sowie C und G. Die Basenpaarung ermöglicht z.B. das Abschreiben der →DNA zu →RNA (→Transkription) und die Paarung von →Codon und →Anticodon.
DNA/DNS
Desoxyribonukleinsäure (englisch -acid für -säure). Chemischer Stoff, aus dem die →Gene aufgebaut sind.
Enzym
→Protein, das als biologischer →Katalysator Stoffwechselvorgänge (chemische Prozesse) auslöst und beschleunigt.
Genom
Gesamtheit der Erbinformation, d.h. aller →Gene, einer →Zelle oder einer Art.
Genomik
Wissenschaft, welche das →Genom eines Lebewesens entschlüsselt und untersucht.
Sequenzierung
Methode zur Entschlüsselung der →Basenreihenfolge eines →Gens bzw. des ganzen →Genoms.
Zelle
Kleinste selbständig lebensfähige Einheit. Grundelement aller Vielzeller (Mensch, Tiere, Pflanzen).
1 Forschung
1.2 Genomik
«Sag mal, wie viele Gene hat ein Mensch?» Marcel schaut erstaunt auf. «Phu!», meint er, «keine Ahnung. Wohl ziemlich viele. Ich frag mich nur, wie die alle Platz haben im Zellkern? Der ist doch winzig.» Imad nickt: «Ich glaube, Gene sind auch extrem klein. Sie bestehen nur aus Molekülen oder so.» Nach kurzem Überlegen meint Marcel: «Stimmt, sie setzen sich aus diesen vier Basen GACT zusammen. Klingt wie ein cooles <tag>. Ich glaube, wir haben Milliarden davon in jeder
Zelle.» Imad ist überrascht: «Wahnsinn! Und wie viele Gene gibt das?»
Die grosse Überraschung
Der menschliche Körper ist äusserst komplex aufgebaut. Alle Knochen, Nervenbahnen und Organe sind gut untersucht. Die molekulare Ebene jedoch birgt noch viele Geheimnisse. Jede Zelle enthält eine riesige Zahl verschiedener Proteine, die alle gemäss den Bauplänen in den Genen hergestellt werden. Die Untersuchung der
DNA beantwortet daher viele spannende Fragen: Wie funktionieren diese Baupläne? Und wie viele Gene hat der Mensch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsgebiet der
Genomik. Im Jahr 1990 wurde das Human Genom Project gestartet mit dem Ziel, die drei Milliarden
Basenpaare der menschlichen Erbsubstanz zu analysieren. Die Forschenden rechneten mit mindestens 25 Jahren Arbeit. Dank Computertechnologie, Automatisierung und besseren Labormethoden lag der Code des menschlichen
Genoms bereits im April 2003 vor. Die gesamte Abfolge der Buchstaben A, T, G, C der menschlichen DNA war entschlüsselt. Entdeckt wurden 25 000 proteincodierende Gene. Das humane Genom hat viel weniger Gene als vermutet - kaum mehr als Fadenwürmer besitzen. Dies war eine grosse Überraschung.

Wie man Gene entschlüsselt
Gene sind so klein, dass sie nicht einmal unter dem Mikroskop sichtbar sind. Um Gene zu untersuchen, müssen sie aus der
Zelle herausgeholt und vervielfältigt werden. Dazu wird die DNA so lange kopiert, bis sie aufgrund der grossen Menge sichtbar wird. Dies geschieht mit Hilfe des
Enzyms Polymerase, das Gensequenzen in hohem Tempo kopieren kann. Man nennt diese Technik Polymerase Chain Reaction (PCR). Doch wie kann nun die Buchstabenfolge der DNA im Labor abgelesen werden? Was der Zelle ganz leicht gelingt, war für die Forschung eine Knacknuss: Schliesslich sind die Moleküle A, G, C und T nicht sichtbar. Für die Entschlüsselung der Buchstabenfolge wird die Technik der
Sequenzierung eingesetzt, die das Problem auf einem klugen Umweg löst (siehe Grafik).
Und noch viel mehr Arbeit ...
Neben dem genetischen Code des Menschen sind auch die Genome einzelner Tier- und Pflanzenarten entschlüsselt. Man kennt beispielsweise den Gencode der Maus oder jenen der Malariamücke. Allerdings unterscheidet sich der genetische Code der Individuen innerhalb einer Art auch leicht voneinander. Konkret bedeutet dies, dass im gesamten DNA-Strang einzelne Basenpaare von Individuum zu Individuum variieren. Das Genom jedes Menschen ist einzigartig, so individuell wie dessen Fingerabdruck. Heute wissen die Forschenden, dass mit der Sequenzierung des menschlichen Genoms die Arbeit nicht erledigt ist. Im Gegenteil: Sie hat erst richtig begonnen. Es gilt, zu untersuchen, wie sich die genetischen Codes verschiedener Menschen unterscheiden und was dies bedeutet. Er muss erforscht werden, wie das Genom organisiert ist, wie Schäden an den Genen entstehen und wie diese von der Zelle repariert werden.
Fahre mit der Maus über die roten Titel!
1. Vorbereitung: DNA-Stücke isolieren
Bevor die DNA in den PCR-Apparat kommt, wird sie mit Hilfe natürlicher DNA-Scheren, der Restriktionsenzyme, in kurze Abschnitte getrennt.
2. PCR-Technik: exponentiell vermehren
Um eine PCR durchzuführen, werden die DNA-Bausteine A, C, T, G sowie Polymerase-Enzyme und DNA-Stücke in kleine Plastikbehälter gegeben. Dieses Gemisch wird im PCR-Apparat zuerst erhitzt. Dabei zerfällt die DNA in Einzelstränge. Dann wird diese Mischung abgekühlt auf eine Temperatur, bei der die Polymerase besonders gut arbeitet: Dieses Enzym ergänzt die Einzelstränge auf der Grundlage der Basenpaarung zu neuen Doppelsträngen. Ein DNA-Stück wird so mit jedem Durchgang verdoppelt. 15 Durchgänge ergeben über 30 000 identische DNA-Stücke.
3. Sequenzierung: DNA-Fragmente mit bekannter Endung
Die Reihenfolge der einzelnen DNA-Bausteine in einem Gen lässt sich durch die Kettenabbruch-Methode bestimmen. Für die PCR werden von einer Bausteinsorte zusätzlich «Stopper» beigemischt, beispielsweise Stopp-G. Baut die Polymerase nun zufällig statt eines normalen G ein Stopp-G ein, bricht der Kopiervorgang ab. Nach der PCR liegen vom zu untersuchenden DNA-Stück viele Kopien unterschiedlicher Länge vor, die alle mit einem Stopp-G enden.
4. Elektrophorese: Sortieren nach Grösse
Die erhaltenen Teilstücke sind viel zu klein, um sie direkt untereinander zu vergleichen. Sie werden vom Gentechniker oder der Gentechnikerin in ein Gel gespritzt, durch das Strom fliesst. DNA-Stücke sind negativ geladen und wandern deshalb Richtung Pluspol. Dabei kommen die kurzen DNA-Stücke weiter als die langen, da diese mehr im Gel stecken bleiben. Nach der PCR liegt jedes Teilstück tausendfach vor. Da gleich lange Stücke im Gel gleich weit wandern, kann man im Gel Banden erkennen. Jede Bande steht für ein Teilstück, das mit G endet. Liegen zwei Banden direkt beieinander, sind auch im Gen zwei G direkt nebeneinander. Sind die Banden weiter auseinander, befinden sich entsprechend viele andere Buchstaben dazwischen. Durch die Wiederholung des Vorgangs mit Stopp-A, Stopp-C und Stopp-T kann die ganze Gensequenz bestimmt werden.
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Letzte Änderung: 2008-11-21 10:45:35