Embryonale Stammzelle
Aus dem wenige Tage alten →Embryo gewonnene undifferenzierte →Zelle, die sich im Labor zu praktisch allen Zelltypen des Körpers entwickeln kann.

1 Forschung

1.5 Stammzellforschung

Ethik:
Die Forschung mit embryonalen Stammzellen ist umstritten. Einerseits haben embryonale Stammzellen ein grosses Potenzial für die Behandlung schwerer Krankheiten, andererseits werden für ihre Gewinnung wenige Tage alte Embryonen zerstört. In der Schweiz arbeiten Forschende mit sogenannt überzähligen Embryonen. Ein Embryo gilt als überzählig, wenn er im Labor gezeugt wurde, der Frau aber nicht eingepflanzt werden kann. Unter welchen Voraussetzungen den überzähligen, zur Vernichtung bestimmten Embryonen Stammzellen entnommen werden dürfen, ist im Stammzellforschungsgesetz geregelt (siehe Kapitel 5.3).
Einen Schritt weiter geht das therapeutische Klonen. Dabei werden Embryonen zum Zweck der Gewinnung medizinisch idealer Stammzellen geschaffen. Neue Behandlungsansätze rücken damit in den Bereich des Möglichen. Das therapeutische Klonen ist heute nur in einigen Ländern, z.B. Grossbritannien, erlaubt. Vom therapeutischen Klonen zu unterscheiden ist das reproduktive Klonen. Das Klonen zur künstlichen Erzeugung eines Menschen wird weltweit beinahe einstimmig als ethisch verwerflich abgelehnt - dies aufgrund der Problematik der Fremdbestimmung und der gesundheitlichen Gefahren für Mutter und Kind.

Katrin und Aisha diskutieren, was sie am Abend zu Jens' Party mitbringen sollen. Jens wird schon 20, die meisten seiner Klassenkameraden sind erst 18. Jens war als Kind sehr krank und konnte erst später zur Schule. Jens hatte Leukämie. Dass er überlebt hat, verdankt er einer Stammzellspende. Die Knochenmarktransplantation hat ihm das Leben gerettet. Damals stand es ernst um ihn, doch heute kann Jens locker darüber reden. Wenn im Frühling jemand zu niesen beginnt, meint er grinsend: «Tja, Heuschnupfen habe ich seit zwölf Jahren hinter mir. Meine neuen Blutzellen sind immun dagegen.»

Kerntransfer:
Bei diesem Forschungsansatz wird versucht, ausgehend vom Kern einer Patientenzelle embryonale Stammzellen zu gewinnen, die keine Abstossungsreaktion hervorrufen, weil sie mit dem Patienten oder der Patientin identisch sind. Die Stammzellgewinnung via Kerntransfer (auch therapeutisches Klonen genannt) ist erst bei Tieren gelungen.

Alleskönner
Stammzellen haben besondere Fähigkeiten. Sie können sich durch Teilung selbst erneuern und zu verschiedenen Zelltypen ausreifen, zum Beispiel zu Herz-, Muskel- oder Leberzellen. Heute wird daran gearbeitet, nach einem Herzinfarkt das geschädigte Herzgewebe durch Stammzellen zu regenerieren. Was hier erprobt wird, ist für das Blutsystem seit langem Realität. Um Blutkrebs (Leukämie) zu behandeln, werden adulte Blutstammzellen ins Knochenmark der Patientin oder des Patienten übertragen. Neben den adulten gibt es auch embryonale Stammzellen. Sie lassen sich leicht im Labor züchten und bilden unter Zugabe von Wachstumsfaktoren alle verschiedenen Gewebetypen. Damit verfügen sie über ein riesiges Potenzial für die Entwicklung neuer Therapien. Viele schwere Krankheiten wie multiple Sklerose, Diabetes oder Alzheimer beruhen auf einem Abbau von Gewebe. Mit Stammzellen hofft man, geeignete Ersatzzellen zu züchten. Experimentelle Anwendungen zeigen, dass dies machbar ist, etwa zur Heilung von Sehnenverletzungen oder zur Überbrückung durchtrennter Nerven. Bevor Patienten und Patientinnen routinemässig mit Therapien auf der Basis embryonaler Stammzellen behandelt werden können, braucht es noch viel Forschungsarbeit.
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Forschung - Embryonale Stammzellen
Blastocyste
Der Embryo entwickelt sich ca. fünf Tage im Labor.
Stammzelllinien
Im Blastocystenstadium entnommene Zellen können als undifferenzierte embryonale Stammzelllinien gezüchtet werden.
Spezialisierte Zellen
Durch Zugabe geeigneter Wachstumsfaktoren entstehen spezialisierte Körperzellen.
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