Gentechnik
Wissenschaft, die sich mit der Untersuchung, der Isolierung und der Neukombination von Erbmaterial (→DNA) befasst.
Grüne Gentechnik
Umgangssprachliche Bezeichnung für die →Gentechnik in der Pflanzenzucht und in der Landwirtschaft.
Transgen
→Gentechnisch verändert.

3 Landwirtschaft und Ernährung

Die Anwendung der Gentechnik in Pflanzenzucht, Landwirtschaft und Ernährung wird als grüne Gentechnik bezeichnet. Während transgene Pflanzen in verschiedenen Regionen der Welt seit Jahren auf riesigen Flächen angebaut werden, herrscht in Europa Zurückhaltung und Skepsis gegenüber der neuen Technologie. Sind gentechnisch veränderte Lebensmittel nun ein Nutzen oder ein Risiko für die Menschheit? Eine Frage, über die nicht nur Fachleute, sondern auch die vier Bewohner und Bewohnerinnen einer Wohngemeinschaft intensiv diskutieren.

«Habt ihr Hunger?», erkundigt sich Marc bei seinen Mitbewohnern. «Wie ein Bär!», erwidert Stefan. «Lass uns ein paar Spaghetti mit Salat machen. Das geht schnell und schmeckt immer.» Kopfnickend holt Marc eine Packung Teigwaren aus dem Schrank. «Schon bedenklich», wirft Cécile in die Runde, «hier steht, dass ein unbewilligter Gentech-Mais in die Schweiz importiert wurde. Konsumentenschutzorganisationen warnen vor gesundheitlichen Risiken.» Stefan, der seit vier Jahren Pflanzenbiotechnologie studiert, versucht zu beschwichtigen: «Ach, schon wieder so eine Zeitungsmeldung. Auch diese Suppe wird wohl nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.» Cécile schüttelt den Kopf: «Genfood ist gefährlich, das weiss doch jeder. Ich jedenfalls will damit nichts zu tun haben.» «Dann hast du aber ein Problem.» Stefan erklärt Cécile, dass Gentechnik heutzutage im Alltag überall präsent ist: «Dein Pulli und deine Jeans wurden womöglich aus Fasern von Gentech-Baumwolle hergestellt. Beim Waschen verwendest du Gentech-Enzyme, und in unserer Schokolade hats Lecithin aus gentechnischer Soja drin. Von den Medikamenten ganz zu schweigen.» In diesem Moment betritt Andrea die Küche. Ihre Augen bleiben bei Céciles Gesichtsausdruck hängen: «Gibts ein Problem?» Marc grinst: «Nö. Bloss eine kleine Debatte. Setz dich doch. Essen ist parat.»

Während des Abendessens geht die Diskussion weiter. Cécile schaut sich die Spaghettiverpackung näher an: «Gut haben wir bei uns eine Deklarationspflicht für Genfood. Dann kann man wenigstens beim Essen selber wählen. Diese Spaghetti hier sind jedenfalls natürlich.» «Was ist denn schon natürlich?», entgegnet Marc. «Gute Frage, Marc, diese Teigwaren könnte man als Mutantenfood bezeichnen.» Stefan fängt nach dieser Bemerkung einen bösen Blick von Cécile ein: «Du übertreibst!» «Nein», fährt Stefan fort, «die heutigen Hartweizensorten entstanden durch Mutationszüchtung. Es wurde radioaktive Strahlung angewendet, um das Erbgut des Weizens zu verändern. Und daraus entstanden neue Sorten. Kein Mensch weiss, was mit diesen Pflanzen genau passiert ist.» «Und kein Hahn kräht danach», ergänzt Marc, «aber schmecken tun die Dinger.» Cécile gibt sich unbeeindruckt: «Also mir vergeht gleich die Lust am Essen. Morgen koche ich wieder. Dann gibts wenigstens Bio, da hats keine Gentechnik drin.» Marc zuckt mit den Schultern: «Guten Appetit.»

Beim Abwasch greift Stefan das Thema wieder auf: «Ich kann dich gut verstehen, Cécile, dass du Mühe hast mit Genfood. Man hört ja auch ständig Negatives darüber.» «Eben», erwidert seine Mitbewohnerin. Stefan erklärt: «Aber vieles davon stimmt nicht. Es gibt keine Belege, dass die Gentechnik gefährlich ist.» «Sagst du. Aber du bist ja hier schliesslich der Experte ...», stichelt Cécile. «Was weiss denn die Forschung heute über mögliche negative Langzeitfolgen?» Während Marc für alle einen Kaffee macht, holt er aus: «Das ist ein wichtiger Punkt, den die Wissenschaft ständig im Auge behalten muss. Noch etwas: Wir bewegen uns hier nicht im rechtsfreien Raum. Die grüne Gentechnik ist bei uns gesetzlich sehr streng geregelt - viel strenger als in den meisten anderen Ländern.» «Und was, wenn nebenan in Frankreich etwas passiert?», erwidert Cécile. «Ein gentechnisch veränderter Organismus, der sich unkontrolliert ausbreitet, macht keinen Halt vor unserer Landesgrenze.»

«Ich brauche noch etwas Süsses. Haben wir Schokolade im Haus?», fragt Andrea. «Ja, gentechnisch veränderte!», hänselt Marc. Andrea nimmt eine Tafel und fängt an, die Zutatenliste zu lesen: «Sojalecithin ist drin, aber von Gentechnik steht hier nichts.» «Das heisst aber nicht, dass überhaupt kein Lecithin aus gentechnisch veränderter Soja enthalten ist. Spuren davon könnten in der Schokolade drin sein. Und man kann sie im Labor nicht einmal nachweisen, da es das haargenau gleiche Lecithin ist wie bei einer normalen Sojabohne.» weiss Stefan. Andrea ist überrascht: «Das heisst, ich esse hier vielleicht unbewusst Bestandteile einer gentechnisch veränderten Sojapflanze?» «Kann sein. Diese sind aber genauso unbedenklich für die Gesundheit wie die Gensoja selber.», beruhigt Stefan. «Wie auch immer», entgegnet Cécile, «ich will keinen Genfood essen. Basta.» «Du hast ja deinen Biofood», meint Marc. «Ich leg mal ein bisschen Sound auf. Irgendwelche Wünsche an den DJ?»
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