Bt-Mais/Bt-Baumwolle
→Transgene Pflanzen mit einem →Gen aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis, aufgrund dessen die Pflanzenzellen ein Insektengift produzieren. Die Pflanzen sind dadurch gegen bestimmte Insektenschädlinge geschützt.
Gentechnik
Wissenschaft, die sich mit der Untersuchung, der Isolierung und der Neukombination von Erbmaterial (→DNA) befasst.
Grüne Gentechnik
Umgangssprachliche Bezeichnung für die →Gentechnik in der Pflanzenzucht und in der Landwirtschaft.
Insektizid
Chemisches Schädlingsbekämpfungsmittel, Insekten abtötender Stoff.
Patent
Schutzrecht des geistigen Eigentums, das die zeitlich befristete kommerzielle Nutzung einer Erfindung regelt. Die Erkenntnisse werden offen gelegt.
Transgen
→Gentechnisch verändert.
Zelle
Kleinste selbständig lebensfähige Einheit. Grundelement aller Vielzeller (Mensch, Tiere, Pflanzen).

3 Landwirtschaft und Ernährung

3.3 Globale Situation

Cécile hat sich in ihr Zimmer zurückgezogen. Auf dem Bett liest sie einen Brief von Saranya, ihrer indischen Freundin. Zweimal schon ist Cécile durch Indien gereist. Sie ist fasziniert von dieser Kultur. Aber auch deprimiert angesichts der Armut und des Hungers, den sie dort vorfand. Stefan hat ihr vom «Goldenen Reis» erzählt. Einem Reis, der helfen soll, Vitamin-A-Mangel in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Cécile ist nachdenklich. Könnte es sein, dass dieser Gentech-Reis vielleicht doch sein Gutes hat? Ich frage mal Saranya, was sie davon hält. Ihr Onkel ist ja Bauer. Denkt sie und beginnt zu schreiben.

Seit 1996 werden transgene Kulturpflanzen kommerziell angebaut. Und seither hat sich die grüne Gentechnik weltweit imposant entwickelt: Im Jahre 2006 wurden in 22 Ländern auf einer Fläche von 102 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Sorten angepflanzt. Dies entspricht etwa der gemeinsamen Fläche von Deutschland, Frankreich und Italien. Zu den bedeutendsten Anbauländern gehören die USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien und China. Die gentechnisch veränderten Pflanzen der ersten Generation konzentrieren sich primär auf vier Arten - Soja, Mais, Baumwolle und Raps - und zeichnen sich durch verbesserte Anbaueigenschaften aus. Bei Soja beträgt der Anteil transgener Pflanzen mittlerweile 64 % der Welternte, bei Baumwolle 38%. Über zehn Millionen Bäuerinnen und Bauern, grösstenteils aus Entwicklungsländern, kultivierten 2006 transgene Kulturpflanzen. In Europa sind die Anbauflächen vergleichsweise bescheiden. In der Schweiz wurden noch nie transgene Pflanzen kommerziell angebaut.

Beiträge zur Sicherung der Welternährung
Weltweit leiden über 850 Millionen Menschen an Unterernährung und Hunger. Das ist jeder achte Mensch. Gemäss Prognosen der UNO wird die Weltbevölkerung bis ins Jahr 2025 auf neun Milliarden Menschen anwachsen. Gleichzeitig schrumpft vielerorts die landwirtschaftliche Nutzfläche durch Erosion, Versalzung oder Zersiedelung. Damit die Menschheit langfristig ausreichend mit Lebensmitteln versorgt werden kann, braucht es neben einer Umverteilung der Güter auch Ertragssteigerungen auf den verfügbaren Anbauflächen. Eine weitere Herausforderung besteht darin, Kulturpflanzen zu züchten, die auch bei Hitze, Dürre oder auf salzhaltigen Böden gedeihen können. Schliesslich gilt es Pflanzen mit verbessertem Nährstoffgehalt zu züchten, um Mangelernährung entgegenzuwirken. Es ist unbestritten, dass die Gentechnik alleine das komplexe Hungerproblem nicht lösen kann. Handlungsbedarf besteht auf sozialer, politischer und ökonomischer Ebene sowie bei der Ausbildung, insbesondere von Frauen. Gentechnische Zuchtmethoden können aber einen Beitrag leisten, um die drei genannten Ziele zu erreichen.
Landwirtschaft - Globale Situation
Insektenresistente Baumwolle
Baumwollpflanzen liefern die Hälfte der Rohstoffe für die globale Textilindustrie. Ihr Hauptschädling ist der Baumwollkapselbohrer, gegen den grosse Mengen an Insektiziden gespritzt werden müssen. Analog zum Mais (siehe Folgeseiten) wurden transgene Baumwollsorten gezüchtet, die in ihren Zellen das Bt-Protein bilden. Dieses Eiweiss schützt die Pflanzen gegen Frassinsekten wie den Baumwollkapselwurm. In verschiedenen Studien wurden die Erfahrungen der Bauern mit Bt-Baumwolle untersucht, insbesondere in China und Indien. Ergebnisse aus Indien von 2001 bis 2006 zeigen für die Landwirte deutliche Vorteile gegenüber dem Anbau herkömmlicher Sorten: Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel konnte bei Bt-Baumwolle um bis zu 70 % gesenkt werden. Damit sank nicht nur die ökologische Belastung auf den Feldern, sondern sanken auch die gesundheitlichen Risiken für die Produzentinnen und Produzenten durch Insektizidvergiftungen. Gleichzeitig stiegen die Erträge im Durchschnitt um knapp die Hälfte. Der Reingewinn der Landwirte wuchs um durchschnittlich zwei Drittel. Diese Zahlen variieren allerdings je nach Land, Anbauregion und -saison.

«Goldener Reis»
Ein Beispiel, wie die grüne Gentechnik helfen kann, der Mangelernährung in Entwicklungsländern zu begegnen, ist der Provitamin-A-Reis. Reis wird vorwiegend geschält gegessen, da er ohne Schale nicht ranzig wird und besser gekocht werden kann. Geschälter Reis enthält jedoch kein Provitamin A (Beta-Karotin). Deshalb leiden Menschen, die sich fast ausschliesslich von Reis ernähren, häufig an Vitamin-A-Mangel. Bei Kindern führt dies zu einer erhöhten Infektionsanfälligkeit sowie Sehstörungen und Blindheit. Millionen von Menschen sind davon betroffen. Forschern der ETH Zürich und der Universität Freiburg im Breisgau ist es gelungen, durch die Übertragung von drei Genen aus einem Bakterium und der Osterglocke eine Reissorte zu entwickeln, die im Korn selber Provitamin A produziert. Dies verleiht dem Reiskorn eine gelbgoldene Farbe, weshalb die Sorte unter dem Namen «Goldener Reis» bekannt wurde. Der Provitamin-A-Reis soll als humanitäres Projekt den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Entwicklungsländern kostenlos zur Verfügung stehen. Die beteiligten Unternehmen haben weitgehend auf ihre Patentansprüche verzichtet. Aufgrund der langwierigen Zulassungsverfahren wird noch einige Zeit vergehen, bis die Bäuerinnen und Bauern den «Goldenen Reis» anpflanzen und damit die Versorgung der lokalen Bevölkerung mit Vitamin A verbessern können.

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