Bioinformatik
Wissenschaft, die sich mit der computergestützten Speicherung und Auswertung biologischer Daten befasst.
Genomik
Wissenschaft, welche das →Genom eines Lebewesens entschlüsselt und untersucht.
Gentechnik
Wissenschaft, die sich mit der Untersuchung, der Isolierung und der Neukombination von Erbmaterial (→DNA) befasst.
Klinische Studie
Wissenschaftliche Untersuchung einer (neuen) medizinischen Behandlung unter kontrollierten Bedingungen.
Proteomik
Wissenschaft, welche das →Proteom untersucht. Analysiert wird z.B. das Zusammenspiel von →Proteinen bei der Entstehung einer Krankheit.
Sars
Englisch Severe acute respiratory syndrome. Durch einen →Virus ausgelöste Krankheit, die 2002 erstmals auftrat. Das Virus stammt vermutlich von einem Erreger ab, der zuvor nur Tiere befallen hatte.
Transgen
→Gentechnisch verändert.

3 Landwirtschaft und Ernährung

3.7 Neue Produkte am Horizont

«Schau mal, was ich hier habe.» Stefan drückt Marc eine Bierflasche in die Hand. «Maisbier?», meint dieser erstaunt. «Ja, und erst noch ein Spezielles: gebraut aus Gentech-Mais», antwortet Stefan. «Ich habe die Flasche an einer Ausstellung über die grüne Gentechnik erhalten.» «Au ja, da stehts: GVO - gentechnisch veränderte Organismen. Und was soll ich jetzt damit?», reagiert Marc. «Probier mal. Ist gar nicht übel», schlägt Stefan vor. «Es ist das erste Mal, dass ich bewusst ein Gentech-Produkt in den Händen halte. In den Läden habe ich Genfood noch nie gesehen.» Marc nimmt einen kräftigen Schluck: «Hmm, tatsächlich. Gar nicht so schlecht. Schmeckt wie Bier.» «Ist es ja auch», erwidert Stefan.

Längst arbeiten die Pflanzenbiotechnologinnen und -biotechnologen an der zweiten und dritten Generation transgener Kulturen. Die Fortschritte der funktionellen Genomik und Proteomik sowie Automatisierungen und die Bioinformatik ermöglichen detaillierte molekulare Einsichten in die Pflanzenzelle. Zunehmend können mit der Gentechnik auch komplexere Zielsetzungen verfolgt werden. Drei Beispiele zeigen dies exemplarisch auf:

Optimierte Kartoffelstärke
Die Kartoffel ist nicht nur ein wichtiger Stärkelieferant für die Ernährung, sondern auch ein bedeutender Rohstofflieferant für die Papier-, Textil- und Klebstoffindustrie. Kartoffelstärke besteht aus Amylose und Amylopektin. Deutsche Forschende züchteten eine transgene Kartoffel, bei der das Gen für die Amylosebildung abgestellt ist. Dadurch enthält ihre Stärke praktisch nur noch Amylopektin, einen idealen Ausgangsstoff für vielfältige industrielle Verwendungszwecke.

Ethik:
Gentechnisch veränderte Lebensmittel werden von der US-amerikanischen Bevölkerung anders bewertet als von den Europäerinnen und Europäern. Während die Gentechnik in den USA auch in der Ernährung als grundsätzlich positive Entwicklung angesehen wird, sind viele Menschen in Europa neuen Techniken gegenüber skeptisch eingestellt, gerade auch in der Lebensmittelproduktion. Zentral in der ethischen Beurteilung von GV-Lebensmitteln ist - neben der Sicherheit für Mensch, Tier und Umwelt - die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten. Diese ist bei uns durch Deklarationsvorschriften und regelmässige Kontrollen gewährleistet. Deklarationslimiten sind Vorraussetzung für die praktische Umsetzbarkeit der Vorschriften.
Angesichts des Beispiels Provitamin-A-Reis, der möglicherweise einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Vitamin- A-Mangels in Entwicklungsländern leisten kann, und der umweltschonenden Wirkungen vieler GV-Pflanzen, stellt sich aber auch die Frage, ob es ethisch gerechtfertigt ist, auf den potenziellen Nutzen der grünen Gentechnik zu verzichten.

Pflanzenbasierte Arzneimittel
Seit Jahren wird an Pflanzen gearbeitet, die Medikamente oder Impfstoffe produzieren. Von diesen pflanzlichen Pharmafabriken erhoffen sich die Forscherinnen und Forscher eine kostengünstige Herstellung in grossen Mengen. In transgenen Tabakpflanzen, Tomaten oder Disteln werden Impfstoffe gegen Cholera oder Sars sowie Medikamente wie Insulin oder Interferon hergestellt. Mehrere davon werden derzeit in klinischen Studien am Menschen getestet.

Trockenheitresistente Gewächse
Ägyptische Wissenschaftler testen gentechnisch optimierte Weizensorten in Freilandversuchen, die gegenüber herkömmlichen Sorten mit deutlich weniger Wasser auskommen. Ein zusätzliches Gen aus der Gerste machts möglich.
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