Gentechnik
Wissenschaft, die sich mit der Untersuchung, der Isolierung und der Neukombination von Erbmaterial (→DNA) befasst.
2 Medizin
Die Medizin befasst sich mit der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen. Aber auch mit Fortpflanzung, Schwangerschaft, Geburt und Tod. Die biomedizinische Forschung versucht, die Ursachen und Mechanismen einer Krankheit zu verstehen, um neue Therapien zu entwickeln. Die
Gentechnik spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Einblicke in die moderne Medizin geben fünf Personen, die einen Allgemeinpraktiker aufsuchen.
«Es ist auf jeden Fall richtig, dass du dich beim Arzt angemeldet hast, Silvio.» Silvio ist seinem Freund dankbar für die Unterstützung. Aber das mulmige Gefühl bleibt. Wie konnte er nur so dumm sein. Hastig trinkt er den Kaffee aus. «Schau», fährt dieser fort «wenigstens machst du dir Gedanken darüber. Du kanntest die Frau nicht, und ihr habt kein Kondom benutzt. Das war wirklich blöd. Aber noch schlimmer wäre, nun keinen HIV-Test zu machen.» Silvio nickt. «Ich muss los, in zehn Minuten muss ich dort sein.» Auf der Strasse schiessen ihm tausend Gedanken durch den Kopf. Was, wenn ich mich wirklich angesteckt habe? Wenn der Test nur schon vorbei wäre und ich ein negatives Resultat hätte. Wenigstens muss man heute nicht mehr wochenlang warten, da die Viren dank Gentechnik schnell nachweisbar sind. Wenn sie nur keine finden!

Im Wartezimmer spielt ein Mädchen. Eine Frau blättert unkonzentriert in einer Zeitschrift. Sie ist zu unruhig, um die Artikel zu lesen. So kurz vor dem Arztbesuch macht sich Frau Fritsche wieder Sorgen. Vielleicht ist der Befund doch nicht so erfreulich, wie der Spezialist gemeint hat? Sie denkt zurück an ihre Unsicherheit, als der Hausarzt sie vor einem Jahr zur Abklärung überwies. Die Diagnose war ein Schock: Brustkrebs. Das konnte einfach nicht sein. Ausgerechnet sie, die so viele Pläne hatte. Damals war sie gerade in eine neue Wohnung gezogen. Und sie hatte vereinbart, ab April einmal die Woche ihren Enkel zu hüten. Würde sie sich noch darum kümmern können? Die Angst war gross.
Nun, die Ärztinnen und Ärzte hatten sie gut informiert, und die Operation des Tumors verlief ohne Komplikationen. Allmählich wuchs ihre Zuversicht, aber die erste Zeit war schwierig. Sie musste lernen, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Der Austausch mit Betroffenen und die Begleitung durch Fachleute halfen ihr. Frau Fritsche staunt im Nachhinein über die Vielfalt an Behandlungsmöglichkeiten. Neben Operation, Chemotherapie und Bestrahlung wird in der Krebsbehandlung auch eine Vielzahl von Medikamenten eingesetzt. Das Ärzteteam hatte ihren spezifischen Krebs sehr genau untersucht. Sogar die Genaktivität in den Tumorzellen wurde analysiert. Dabei wurde festgestellt, dass Frau Fritsche zu dem Viertel der Brustkrebspatientinnen gehört, deren Tumorzellen einen auffälligen Wachstumsrezeptor produzieren, wodurch sich der Tumor schnell vermehrt. Es konnte ihr ein gentechnisch hergestelltes Medikament verabreicht werden, das diese gefährlichen Oberflächenstrukturen auf den Krebszellen unschädlich macht und die Zerstörung der Tumorzellen durch das Immunsystem fördert. Die auf sie zugeschnittene Behandlung verlief sehr gut.

Frau Fritsche denkt daran, wie viel sich in den letzten 50 Jahren verändert hat. Auch ihr Grossvater war an Krebs gestorben. Damals hatte man das noch nicht so genau gewusst und kaum etwas dagegen unternehmen können. Nicht einmal gegen einfache Infektionskrankheiten war man zu dieser Zeit gewappnet. Wie ihre Grosstante starben viele junge Frauen nach der Geburt an einer Infektion. Und all die Kinder, die an einer Lungenentzündung starben! Wirklich, es hat sich einiges gewandelt. Sie lächelt dem spielenden Mädchen zu.
Die Praxisassistentin kommt ins Wartezimmer und ruft einen Patienten auf. Silvio muss noch warten. Er nimmt sich eine Broschüre vom Tisch, in welcher der Einsatz von Gentechnik in der Medizin thematisiert wird. Die Überschriften erstaunen ihn. Er weiss, dass Gentests Erbkrankheiten diagnostizieren und bei der Suche nach Krankheitserregern helfen. Doch die Broschüre enthält sechs weitere Kapitel. Da geht es um die Untersuchung, welche Medikamente jemand verträgt, oder um die Abklärung von Identitätsund Verwandtschaftsfragen. Ein weiteres Kapitel erläutert, wie Tests helfen, vermutete Krankheiten zu diagnostizieren bzw. auszuschliessen. Die letzten drei Kapitel thematisieren Gentherapien, gentechnikgestützte Erforschung von Krankheiten sowie gentechnisch hergestellte Medikamente und Impfstoffe. Silvio ist überrascht. Gentechnik scheint in vielen Bereichen der Medizin routinemässig im Einsatz zu sein. Das war ihm nicht bewusst.

© 2009
, Postfach, 3000 Bern 14 - Tel.: +41 31 356 73 84, Fax +41 31 356 73 01
Letzte Änderung: 2009-03-06 15:07:58