Antibiotika
Stoffe aus →Mikroorganismen, die auf andere →Bakterien wachstumshemmend oder abtötend wirken.
Aids
Englisch Acquired immune deficiency syndrome. Erworbene Immunschwäche, die durch das →HI-Virus übertragen wird.
Biologika, Biologics
Bio- bzw. →gentechnisch hergestellte →Proteine, die als Medikamente eingesetzt werden.
Gentechnik
Wissenschaft, die sich mit der Untersuchung, der Isolierung und der Neukombination von Erbmaterial (→DNA) befasst.
Gentechnologie
Die gesamten Kenntnisse, Verfahren und Anwendungen, die auf →Gentechnik beruhen.
Hormon
→Protein, das als Botenstoff dient und in →Zellen Reaktionen auslöst (z.B. Insulin).
Krebs
Bösartige Zellwucherungen (Tumore),die durch unkontrollierte Zellteilungen entstehen.
Pharming
Produktion von →Enzymen und Arzneimitteln in gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren. Auch Farming genannt.
Proteomik
Wissenschaft, welche das →Proteom untersucht. Analysiert wird z.B. das Zusammenspiel von →Proteinen bei der Entstehung einer Krankheit.
Transgen
→Gentechnisch verändert.

2 Medizin

2.1 Medikamente

Seit Tagen überlegt Frau Fritsche, ob sie an einer Studie zu einer neuartigen Krebsbehandlung teilnehmen soll. Die Möglichkeit, dass ihr Brustkrebs trotz der Operation nicht ganz besiegt ist und unbemerkt noch Tumorzellen vorhanden sein könnten, beschäftigt sie. Die neue Behandlung verspricht, die Gefahr eines erneuten Ausbruchs zu senken. Frau Fritsche ist sich jedoch bewusst, dass auch Nebenwirkungen auftreten können. Allmählich reift ihr Entschluss. Sie hat die Chancen und Risiken aus ihrer persönlichen Lebenssicht abgewogen und entscheidet sich zur Teilnahme an der Studie.

Die Gentechnik ist ein unentbehrliches Werkzeug für die Entwicklung und Herstellung von Arzneimitteln. Bei der Suche nach neuen Antibiotika liefern die Genomanalyse und die Proteomik beispielsweise wichtige Hinweise, wo die Bakterien angreifbare Schwachpunkte haben. Viele Arzneien werden gentechnisch hergestellt. Seit 25 Jahren ist gentechnisch erzeugtes Insulin zur Behandlung von Diabetes zugelassen. Gentechnisch hergestellte Proteine sind auch für Menschen mit der Krankheit Hämophilie entscheidend. Den Betroffenen fehlt ein Blutgerinnungsfaktor, wodurch einfache Verletzungen zu bedrohlichen Blutungen führen. Früher erhielten sie den Gerinnungsstoff aus Spenderblut, was zu mehreren Aids-Ansteckungen führte. Dank der Gentechnik ist diese Gefahr gebannt. Neben der Sicherheit wurde auch die Produktionskapazität erhöht. Der weltweite Jahresbedarf an Insulin liegt bei 2000 kg. Früher erfolgte die Gewinnung aus Schlachtvieh. Aus einer Tonne tierischen Bauchspeicheldrüsen lassen sich jedoch nur 125 g Insulin gewinnen. Eine Produktion für alle Diabetikerinnen und Diabetiker wäre kaum möglich.

Therapeutische Proteine dank Gentechnik
Gentechnisch hergestellte Proteine können in Krankheitsmechanismen eingreifen. Das Hormon Erythropoietin, kurz Epo genannt, wurde zur Behandlung von Nierenversagen entwickelt und wird heute in mehreren Formen zur Therapie gegen Blutarmut eingesetzt. Die Lebensqualität von Dialyse-Patientinnen und -Patienten hat sich dadurch stark verbessert. Ein anderes Gentech-Medikament ist Interferon, das Infektionen und Tumorzellen bekämpft. Interferone werden bei der Behandlung von Krebs, Hepatitis oder multipler Sklerose eingesetzt. Bei der Schuppenflechte, einer chronischen Erkrankung der Haut, stoppt ein Protein aus transgenen Zellkulturen die falsch alarmierten Immunzellen, die in der Haut zu den Krankheitssymptomen führen. Heute sind in der Schweiz rund 100 gentechnisch hergestellte Arzneimittel zugelassen. Fachleute schätzen, dass ein Drittel der Medikamente, die zurzeit entwickelt werden, auf Gentechnologie basieren. Da auch von biotechnologischer Herstellung gesprochen wird, nennt man sie Biologika oder Biologics.

Wirkstoffe aus Tier- und Pflanzenzellen
Die Produktion von menschlichen Proteinen in transgenen Bakterien war revolutionär. Trägt das Protein jedoch komplexe Oberflächenstrukturen, z.B. angehängte Zuckerketten, geraten die Bakterien als relativ simple Proteinfabriken an ihre Grenzen. In diesem Fall werden Hefe- oder Säugetierzellen verwendet. Eine andere Möglichkeit bietet das Pharming (auch Farming), bei dem Pflanzen und Tiere als Produktionsstätte dienen. Geforscht wird zurzeit an Tabakpflanzen, deren Zellen einen Wirkstoff gegen Borreliose, eine von Zecken übertragene Infektionskrankheit, herstellen. Auch könnten schon bald Medikamente auf den Markt kommen, die in der Milch von transgenen Ziegen produziert wurden.

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