Genom
Gesamtheit der Erbinformation, d.h. aller →Gene, einer →Zelle oder einer Art.
Gentherapie
Behandlung einer →(Erb-)Krankheit durch Einschleusen eines →Gens in die →Zellen. Man unterscheidet zwischen →somatischer und →Keimbahn-Gentherapie.
Immunsystem
System zur Abwehr körperfremder Substanzen und Organismen wie Pollen, →Bakterien oder →Viren.
Keimbahn-Gentherapie
→Gentechnischer Eingriff in Ei- und Samenzellen. In der Schweiz verboten.
Leukämie
→Krebs des blutbildenden Systems.
Somatische Gentherapie
Gen-Übertragung in Körperzellen (→Keimzellen ausgenommen) zur Behandlung von →Erb- und anderen Krankheiten.
Virus
Kleiner Partikel (→Mikroorganismus) aus →Proteinen und →DNA bzw. →RNA, der sich nur mit Hilfe lebender →Zellen vermehren kann. Häufig Krankheitserreger.
Zelle
Kleinste selbständig lebensfähige Einheit. Grundelement aller Vielzeller (Mensch, Tiere, Pflanzen).

2 Medizin

2.3 Gentherapie

DNA-Chip
Schwere Immunschwäche:
Personen mit einem schwer kranken Immunsystem müssen von allen Krankheitserregern abgeschirmt werden. Im Gegensatz zur Isolation eines ansteckenden Patienten geht es bei der Umkehrisolation um die Sicherheit der Patientin. Diese lebt in einem keimfreien Raum, und alle Personen, die mit ihr in Kontakt treten, müssen sich steril einkleiden. In besonders schweren Fällen wird das Kind in einem sterilen Zelt untergebracht und nur über in die Zeltwand eingebaute Handschuhe gepflegt. Diese Kinder haben nur eine Chance auf ein normales Leben, wenn ein passender Knochenmarkspender gefunden wird oder eine Gentherapie erfolgreich ist.

Das Prinzip einer Gentherapie ist in der Theorie einfach: Krankheiten, die entstehen, weil ein Gen defekt ist, werden durch Einschleusen eines gesunden Gens in die Zelle geheilt. Man unterscheidet zwischen der somatischen Gentherapie, die nur Körperzellen gentechnisch verändert, und der Keimbahntherapie. Eine Keimbahntherapie, die auch Ei- und Samenzellen betrifft, würde Auswirkungen auf alle Nachkommen haben. Sie wird aus ethischen Überlegungen abgelehnt.

Viren als Gentaxis
Es gibt zwei Arten der Gentherapie: Bei der Ex-vivo-Therapie werden dem Patienten oder der Patientin Zellen entnommen. Die gentechnische Behandlung der Zellen erfolgt im Labor. Bei der In-vivo-Therapie werden die Gene direkt im Körper in die Zellen eingeschleust. Bei beiden Verfahren dient ein Virus als Gentaxi. Viren können Zellen dazu bringen, die Viren-DNA ins Genom einzubauen. Diese Fähigkeit wird genutzt, um das therapeutische Gen in die kranken Zellen zu transportieren.

Hoffnungsvoller Weg mit Rückschlägen
Die erste Gentherapie wurde 1990 in den USA an einem vierjährigen Mädchen durchgeführt, das an einer angeborenen Immunschwäche litt. Verursacht wird diese Krankheit durch einen Gendefekt des Enzyms Adenosin-Deaminase (ADA). Fehlt dieses Enzym, sammeln sich im Blut schädliche Abbauprodukte an, wodurch wichtige Zellen des Immunsystems zerstört werden. Dadurch wird jede Infektion lebensgefährlich. Mit Hilfe der Gentherapie konnten betroffene Kinder geheilt werden. Allerdings erkrankten einige in der Folge an Leukämie, worauf die Behandlungen gestoppt wurden. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, vor jeder Gentherapie Nutzen und Risiken sorgfältig abzuwägen. Inzwischen wurden die Zusammenhänge untersucht und Verbesserungen der Therapie vorgenommen.

Fortschritte trotz Hürden
In den letzten 15 Jahren hat die Gentherapie zahlreiche Verbesserungen erfahren. Am idealen Gentaxi wird aber immer noch geforscht. Eine der Herausforderungen ist das Einschleusen der therapeutischen Gene in die Körperzellen. Zudem darf die Integration ins Genom die Funktion anderer Gene nicht beeinträchtigen. Heute gibt es Behandlungen, die ohne Viren als Gentaxi auskommen. Ein Beispiel ist die Behandlung des Greisenbrandes. Bei dieser Krankheit verschliessen sich die Blutgefässe in den Beinen, wodurch das Gewebe abstirbt. In der gentherapeutischen Behandlung wird ein Gen für einen Blutgefäss-Wachstumsfaktor direkt in den Muskel gespritzt. Studien zeigen, dass dank dieser Gentherapie nur noch halb so viele Beinamputationen vorgenommen werden müssen. Weltweit wurden bislang etwa 6000 Menschen im Rahmen von Forschungsstudien mit Gentherapien behandelt.
Fahre mit der Maus über die roten Titel!
Medizin - Somatische Gentherapie
PDF Version: mit Text / ohne Text
1. Zellen mit defektem Gen
Blutbildende Stammzellen mit fehlerhaften ADA-Genen werden dem kranken Kind entnommen. Die Zellen können, ohne dass sie Schaden nehmen, im Labor aufbewahrt werden.
2. Gesundes Gen isolieren
Aus den Zellen eines gesunden Spenders oder einer Spenderin wird die DNA isoliert und das Gen für die Adenosin-Deaminase (ADA) herausgeschnitten. Dieses Gen wird in ein abgeschwächtes Virus geschleust, das keine Infektionen mehr auslösen kann.
3. Mittels Virus in die Zelle
Die blutbildenden Stammzellen des Kindes werden im Labor mit den transgenen Viren zusammengegeben. Wie eine Art Gentaxi reist das Virus in die Zelle und schleust das gesunde ADA-Gen in den Zellkern ein.
4. Zellen mit Extra-Gen
Mit etwas Glück baut sich das ADA-Gen ins Erbmaterial der Blutstammzellen ein. Die erfolgreich behandelten Zellen werden im Labor vermehrt.
5. Das neue Gen wirkt
Zurück im Körper des Kindes bauen die gentechnisch veränderten Blutstammzellen eine gesunde Immunabwehr auf. Das Kind ist von der lebensbedrohlichen Krankheit geheilt.

Weiterführende Links

Top

made by